Quelle: eKapija | Freitag, 18.02.2011.| 10:59
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Reise durch Geschichte der Industrialisierung in Serbien - Bergwerk "Senjski rudnik" bei Despotovac verwandelt in Museum

Das älteste Bergwerk in Serbien, 330 m unter der Erdoberfläche, sollte in der Zukunft nicht mehr von Bergleuten, sondern von Touristen aus dem In- und Ausland betreten werden. Wenn die lezten Braunkohlenvorkommen erschöpft werden, sollten dortige Gruben in einen großen Ausstellungsraum verwandelt werden. Der Dampfaufzug aus dem Jahre 1872 stellt eine der größten Sehenswürdigkeiten in der Ortschaft dar, in dem die Industrialisierung in Serbien begonnen hat.

Die ganze Siedlung in der Gemeinde Despotovac mit fast 450 Einwohnern, in der man Braunkohle seit eineinhalb Jahrhunderten fördert, wurde offiziell zum Museum bzw. zum sogenannten Stadt-Museum und Zentrum des industriellen Erbes des Landes erklärt. Das serbische Kultusministerium bekam 1,5 Mio. Euro von der Europäischen Union für die Realisierung der ersten Phase des Projekts.

Der Leiter der Delegation der Europäischen Kommission in Belgrad, Jose Lloveras, meint, dass die Revitalisierung des Bergwerks "Senjski rudnik" zu den besten unter insgesamt 26 Projekten aus Südosteuropa gehöre, für welche man die finanzielle Unterstützung beantragt hat.

Die Erstellung des Projekts zur Konservierung und Verwandlung des Bergwerks "Senjski rudnik", anvertraut der Architektonischen Fakultät in Belgrad, sollte im Mai dieses Jahres zu Ende geführt werden. Die ersten Arbeiten könnten schon in diesem Sommer aufgenommen werden, erklärt Mihailo Timotijevic, Professor an der Architektonischen Fakultät in Belgrad.

- Wir wollen nicht nur Objekte im Bergwerk restaurieren, sondern die Athmosphäre der alten Siedlung wiederbeleben und die Zeit und Lebensweise von Bergleuten Mitte des 19. Jahrhunderts präsentieren. Hier können wir die ersten Beispiele für die industrielle Architektur in Serbien finden, die modernste technische Lösungen für diese Zeiten. Die Verwandlung des Bergwerks in ein Stadt-Museum ist ein ziemlich atypisches Projekt für unser Land - erklärt Timotijevic und weist auf mehrere ähnliche Projekte in Belgien und Großbritannen hin.

Das Projekt sollte in drei Phasen realisiert werden. Die Konservierung und Verwandlung des Bergwerks sollten in fünf Jahren vollendet werden.

- In der ersten Phase wollen wir drei Objekte erneuern - das Museum des Kohlenbergbaus rekonstruieren, sowie die ehemalige Werkstatt und Direktionsgebäude - sagt Timotijević.

Man hat 1,5 Mio. Euro von der EU für die erste Phase erhalten, benötigt aber sicher höhere Summen für die zweite und dritte Phase.

- Zwei spätere Phasen lassen sich erst nach der Einstellung der Produktion im Bergwerk durchführen - also erst in einigen Jahren. Man will eine Dampfmaschine und den Aufzug aus dem 19. Jahrhundert rekonstruieren lassen. Der Aufszug, der Bergleute noch immer zu ihren Gruben tief unter der Erdoberfläche befördert, stellt etwas Einzigartiges in Europa dar. Es handelt sich um Rarität, auf welche alle, die etwas über den Bergbau wissen, nur stolz sein können. Wir haben fast ein Jahrzehnt verloren und nichts für die Bewahrung unseres Kulturerbes getan. Wir haben auf die Schmalspurbahn verzichtet und sie als Alteisen verkauft, so dass wir sie wieder kaufen müssen.

In der letzten Phase der Revitalisierung sollte die unterirdische Etage des Museums in der Grube "Aleksandrov potkop" - etwas Einzigartiges auf dem Balkan - eröffnet werden. Die Grube ist 530 m vom bestehenden Eingang entfernt. Man hat hier einst Kohle abgebaut.

Nach der Besichtigung des unterirdischen Museums will man Touristen mit dem uralten, von einer Dampfmaschine getriebenen Aufzug zur Erdoberfläche zurückbringen. Es wurde bewiesen, dass es keine andere ähnliche Maschinen in der Welt gibt, weshalb sie zum beweglichen Kulturdenkmal erklärt wurde.

Das ehemalige Krankenhaus sollte, Plänen zufolge, in ein Hotel mit dreißig Zimmern adaptiert und das Kulturhaus, in dem sich alle wichtigen Ereignisse in der Geschichte des Bergbaus in Serbiens abgespielt haben, will man in ein Zentrum für Künstler verwandelt werden. Das Projekt sieht die Rekonstruktion der kleinen Kirche "Sveti Prokopije" sowie der Straße Radnicka ulica mit alten, vor dem Ersten Weltkrieg gebauten Wohngebäuden, in denen noch immer Bergleute und ihre Familien und Rentner wohnen.

Außer den Arch. Mihailo Timotijevic hat man die Erstellung des Projekts auch den Arch. Miroslava Petrovic Baludžic und Nenad Šekularac anvertraut. Der letzte arbeitet ansonsten an der Sanierung des Klosters Hilandar.

Die Initiative für die Rehabilitierung des Bergwerks "Senjski rudnik" ging vom örtlichen Museum des Kohlenbergbaus aus. Die Anstalt verfügt über die Dokumentation für die Geschichte der ganzen Gegend Resava und aller anderen Kohlenbergwerke betrieben vom öffentlichen Unternehmen "Resavica".

Bergwerk "Senjski rudnik"

Das Bergwerk wurde 1853 eröffnet. Hochwertigste Kohle wurde Ende des 19. Jahrhunderts nach Österreich-Ungarn und in die Türkei ausgeführt. Das Bergwerk hat seinen absoluten Höhepunkt in den Sechszigerjahren des 20. Jahrhunderts erreicht, als die Einwohnerzahl 1000 erreicht hat. Das Bergwerk hatte einen eigenen Gleis, zwei Krankenhäusern mit chirurgischen Sälen auf dem Niveau des Militärkrankenhauses VMA in Belgrad, ein Metall verarbeitendes und ein Transportunternehmen. Das örtliche Wärmekraftwerk und die Druckerei waren im vollen Betrieb. Im oben erwähnten Kulturhaus konnten man sich die neuesten Spielfilme und Theateraufführungen ansehen.

Es gibt keine größere Fabrik in Serbien, die Kohle aus "Senjski rudnik" nicht genutzt hat. Die hohe Qualität der Kohle war die einzige Chance für die Überlebung des Bergwerks, nachdem die Nachfrage am Markt rapid zurückgegangen ist und das Erdöl den Primat übernommen hat.

Im Bergwerk "Senjski rudnik" wurde der Spielfilm und Fernsehserie "Petrijin Venac" (Petrijas Kranz) nach dem gleichnamigen Roman des serbischen Schriftstellers und Akademikers Dragoslav Mihajlovic gedreht.

Das Museum "Senjski rudnik" wurde noch 1974 gegründet, in einem Gebäude, das Anfang des 19. Jahrhunderts gebaut und als Lagerraum genutzt wurde. Erste Besucher kamen 1980.

Das Bergwerk "Senjski rudnik" und die ganze Gegend haben bisher nur wenig Interesse unter Touristen geweckt. Seine Restaurierung und Rehabilitierung sollten zur Bildung eines neuen, attraktiven Reiseziels für alle, die sich mit dem reichen Kulturerbe Serbiens bekannt machen können. Und nur einige Kilometer vom Bergwerk "Senjski rudnik" entfernt sind mittelalterliche Klöster Manasija und Ravanica, Höhle Resavska pecina und Lisine, der größte Wasserfall in Serbien.

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