Quelle: eKapija | Donnerstag, 10.10.2013.| 16:10
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Danijela Ilić, Vorsitzende des Nationalverbandes der Immobiliengutachter Serbien - Ich hoffe, dass unser Immobilienmarkt bald wettbewerbsfähig wird

Danijela Ilić

Im letzten Quartalausgabe einer Publikation der internationalen Organisation CRE (Counselors of Real Estate) erschien ein Interview mit Danijela Ilić, Vorsitzender des Nationalverbandes der Immobiliengutachter Serbiens.

Frau Ilić wurde vom Paul G. Johson, CRE-Vorstandsmitglied interviewt. 1953 gegründete Organisation The Counselor of Real Estate hat rund 1.000 Mitglieder weltweit und stellt einen Zweig der Nationalassoziation der Immobilienhändler (NAR) dar.

Johnson: Ihr beruflicher Werdegang im Bereich der Immobilienberatung in Serbien ist bewundernswert. Ihnen ist gelungen, sich von einer erfolgreichen und hochqualifizierten Bauingenieurin in Wertermittlerin für Immobilien zu entwickeln. Sie haben allein die Implementierung der internationalen Normen für Wertermittlung in ihrem Heimat initiiert und sich der internationalen Organisation der Immobiliengutachter angeschlossen, einschließlich Zusammenarbeit mit dem Institut für Wertermittlung (Appraisal Institue). Was hat ihr Interesse an Immobilien geweckt?

Ilić:Ich bin in einer Baumeisterfamilie aufgewachsen. Mein Vater war Baumeister in Belgrad, ich habe Bauingenieurwesen studiert und an der Villanova Universität in den USA promoviert. Als ich nach Serbien zurückkehrte, ging mein Land durch politische und wirtschaftliche Veränderungen durch. Insbesondere während der ersten Runde der Privatisierung Ende der 90er Jahren und der zweiten Anfang 2000. Die Privatisierung der gesellschaftlichen und staatlichen Unternehmen verlangte viel modernere Methoden für die Wertermittlung. Man hat damals nur die Kosten-Methode verwendet. Viele privatisierte Unternehmen besaßen große Immobilien, und manche hatten auch Business-Wert. Die meisten Transaktionen wurden im Istzustand durchgeführt, ziemlich undurchschaubar für Käufer und ohne notwendige Dokumente. Viele Immobilien wurden an strategischen Partner verkauft. Viele Transaktionen wurde als Werte in der Liquidierung betrachtet.

Johnson: Wie wurden Immobilien im Staatseigentum verkauft?

Ilić: Man hat am häufigsten ein Beratungsteam gebildet, und jedes Teammitglied hat eine besondere Rolle dabei gespielt (Ingenieure prüften den technischen Zustand, andere Mitglieder waren für die Budget-Projekteion zuständig, Rechtanwälte sollten Interessen an der Immobilie klären, ein Teil des Teams war für die Verkaufsstrategie verantwortlich) - ein ziemlich uneffizienter, langfristiger und politisch orientierter Prozess.

Johnson: Wie hat sich das verändert?

Ab 2000, und insbesondere in der letzten Zeit, haben die Entscheidungsträger den Wert eines multidisziplinären Beraters erkannt, der Probleme erkennen und definieren kann und seine multidisziplinäre Kenntnisse und Erfahrungen auf eine konstruktivere, effizientere und effektive Weise nutzen kann, im die ideale Lösung zu finden.

Johnson: Können Sie uns ein Beispiel geben?

Ilić: Ich beschäftige mich momentan mit einem Auftrag, der die Umnutzung ehemals militärisch genutzter Liegenschaften einschließt. Es handelt sich um Grundstücke in ländlichen Gegenden in Serbien. Kommunale Behörden möchten diese Parzellen nutzen, aber es gibt viele Missverständisse dabei, vor allem wegen des geschätzten Wertes des Vermögens. Sowohl das Verteidigungsministerium als auch Kommunen möchten davon profitieren.

Johnson: Das verlangt sicher nicht nur multidisziplinäre Fähigkeiten sondern auch Psychologie und Ausdauer. Wie interpretiert man HABU - die beste und kostengünstigste Nutzung von Immobilien - in Serbien?

Ilić: Die beste und kostengünstigste Nutzung der Grundstücke war bisher in Serbien nicht mit dem Eigentums-, sondern mit dem "Nutzungsrecht" verbunden. Jemand kann z.B. Eigentum an einem Gebäude, aber nicht am Grundstück. Das kompliziert die Wertermittlung.

Johnson: Was hat Sie bewogen, Normen in die Wertermittlung zu implementieren?

Ilić: Die Aufgabe, wie die oben erwähnte, zwang mich dazu, die Normen in anderen Ländern zu recherchieren. Ich habe den Nationalverband der Immobiliengutachter Serbien gegründet. Unser Verband ist selbsterhaltend. Wir bieten Online-Kurse in Wertermittlung für Immobilien, die auf traditionellen Methoden und Analysen beruhen und bereits die Anwendung in der Nachbarschaft, in Bosnien und Herzegowina und Montenegro gefunden haben.

Johnson: Können Sie serbische Normen mit dem Rotbuch von RICS und dem US-amerikanischen USPAP vergleichen?

Ilić: RICS Red Book und USPAP haben viele GEmeinsamkeiten, aber es gibt auch europäische Normen, die regional sind und in der Entwicklung der serbischen Normen zu erkennen sind. In Serbien gibt es keine allumfassende Datenbank für den Immobilienhandel, weshalb unser Schätzungen nicht absolut zuverlässig sind.

Johnson: Ich habe den Eindruck, das Sie sehr bescheiden sind. In Hinsicht auf die letzten Privatisierungen in Serbien und Mangel an transparenten und zuverlässigen Bewertungsmethoden und Daten, stellen ihre Anstrengungen um die Anerkennung Ihres Berufs, einheitliche Nationalnormen, Harmonisierung dieser Normen mit jenen in Europa einen fantastischen Erfolg dar, insbesondere in Hinsicht auf die wirtschaftliche Unsicherheit und Unstabilität in ihrer Heimat. Wie sehen Ihre Ziele in der Zukunft aus?

Ilić: Serbien ist ein kleines Land, das sich nicht mit dem Tempo anderer entwickelt. Wir mussen erst gründliche Reformen im Recht-, Gerichts- und Bankwesen durchführen. Ich hoffe, durch Professionalisierung der Immobilien-Wertermittlung und -beratung, mehr Transparenz und elektronische Automatisierung den einheimischen Immobilienmarkt zu stabilisieren und in Konkurrenz mit unseren europäischen Nachbarn zu treten.

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