Quelle: eKapija | Donnerstag, 07.11.2019.| 13:14
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Kari Herlevi, Projektleiterin des finnischen Innovationsfonds Sitra - Serbien, kann auch die Kreislaufwirtschaft entwickeln

Kari Herlevi (FotoMiikka Pirinen)


Die Nutzung der Ressourcen des Planeten und die Anhäufung von Abfällen ist das derzeitige Wirtschaftsmodell, das nicht nachhaltig und umweltschädlich ist. Auf der anderen Seite könnte ein neuer Ansatz in Form der Kreislaufwirtschaft, der Wirtschaft und Abfallwirtschaft miteinander verbindet, die Antwort auf die wachsenden Bedürfnisse der Menschheit sein.

Wir haben Kari Herlevi, einen der Weltexperten auf diesem Gebiet, gefragt, wie die Kreislaufwirtschaft in den Industrieländern umgesetzt wird und was Serbien von den Besten lernen kann.

Kari Herlevi ist Projektleiter des finnischen Innovationsfonds Sitra, dessen Ziel eine stabile und gleichmäßige Entwicklung Finnlands ist. In seinem Interview für eKapija hofft Kari Herlevi, dass wir im Jahr 2050 eine Gesellschaft haben werden, in der die menschliche Entwicklung und der Fortschritt die Umwelt nicht schädigen und Serbien viel von Finnland lernen kann.

eKapija: Heute wird viel über Kreislaufwirtschaft geredet. Warum ist Kreislaufwirtschaft für uns so wichtig?

- Unser heutiges Wirtschaftsmodell ist stark von einer nicht nachhaltigen Nutzung der natürlichen Ressourcen abhängig. Um die größten Herausforderungen unserer Zeit, wie den Klimawandel und den übermäßigen Verbrauch natürlicher Ressourcen, zu bewältigen, brauchen wir eine Kreislaufwirtschaft, in der der Verbrauch darauf beruht, dass Dienstleistungen geteilt, vermietet und recycelt werden, anstatt Dinge zu besitzen und konsequent mehr Waren zu produzieren.

eKapija: In welchen anderen Bereichen ist Kreislaufwirtschaft möglich?

- Letztendlich wird die Kreislaufwirtschaft jeden Sektor berühren. Tatsächlich behaupten wir bei Sitra, dass der größte Teil der Wertschöpfung von Unternehmen in Zukunft aus Geschäftsmodellen der Kreislaufwirtschaft stammen wird. Das Geschäftspotenzial ist enorm. Es gibt jedoch einige Schlüsselsektoren, die für den systemischen Wandel von entscheidender Bedeutung sind, wie das Baugewerbe und die Landwirtschaft.

eKapija: Was hat sich in Finnland als gute Kreislaufwirtschaft herausgestellt?

- In Finnland war der Schlüssel die Einbeziehung der gesamten Gesellschaft in die Kreislaufwirtschaft. Dies erforderte eine vielfältige Zusammenarbeit und Koordinierung zwischen verschiedenen Sektoren.

eKapija: Finnland hat einen Entwicklungsplan für den Zeitraum 2016-2025 angenommen. Welche konkreten Maßnahmen sieht dieser Plan vor und was hat Finnland bisher erreicht?


- Der erste Entwicklungsplan, der 2016 veröffentlicht wurde, legte die Ausgangsposition und den Weg Finnlands zur Erreichung einer Kreislaufwirtschaft fest. Um den Ehrgeiz zu steigern und den Wandel zu beschleunigen, wurde in diesem Jahr die zweite Ausgabe des Entwicklungsplans veröffentlicht.

Die aktualisierte Entwicklungsplan enthält Zielvorgaben für die vier zentralen Zielgruppen: Regierung, Unternehmen, Bürger sowie Kommunen und Städte. Es präsentiert strategische Ziele, die sich über die gesamte Gesellschaft erstrecken, und verwendet die verschiedenen Sektoren der Gesellschaft, um die Visionen einer Kreislaufwirtschaft noch detaillierter darzustellen.

Im Rahmen der Umsetzung des Entwicklungsplans hat Sitra die praktische Umsetzung eines Kreislaufkonzepts verbessert, indem Dutzende von Projekten gemeinsam erstellt und finanziert wurden. Das finnische Bildungssystem ist beispielsweise dabei, Perspektiven der Kreislaufwirtschaft in den Unterricht einzubringen, um sicherzustellen, dass möglichst viele Finnen angesprochen werden und künftigen Experten die Instrumente zur Verfügung gestellt werden, mit denen sie eine nachhaltige Zukunft aufbauen können. Kemi-Tornios Industriepark für Kreislaufwirtschaft verbreitet sein Kreislaufmodell für die Schwerindustrie über ein nationales Netzwerk von Öko-Industrieparks in anderen Teilen des Landes. Sitra war auch an der Erprobung neuer regionaler Mobilitätsdienste und der Schaffung regionaler, nachhaltiger Lebensmittelsysteme in Finnland beteiligt.

eKapija: Was könnte Serbien davon implementieren?

- Zusammenarbeit und Interessengruppen sind der Schlüssel - ohne großes Engagement ist es schwierig, große Änderungen vorzunehmen. Regierungen spielen eine wichtige Rolle bei der Erleichterung der Umsetzung des Entwicklungsplans, aber die Interessengruppen müssen an der Arbeit beteiligt sein: Unternehmen, Städte, NRO und Bürger. Je kleiner der Schwerpunkt der Roadmap ist, desto höher sollte die soziale Inklusivität sein. Auf diese Weise rückt die Kreislaufwirtschaft näher an Bürger und Unternehmen. Wenn eine breite Unterstützung der Stakeholder erreicht wird, wird die Umsetzung der Roadmaps erfolgreicher sein.

eKapija: Haben Länder wie zum Beispiel Serbien, die nicht so wirtschaftlich entwickelt sind, die Fähigkeit, das Konzept der Kreislaufwirtschaft zu entwickeln und einzuführen?

- Bestimmt. Wir haben Beispiele für Erfolgsgeschichten der Kreislaufwirtschaft in allen Arten von Volkswirtschaften. Kreislaufwirtschaftliche Aktivitäten hängen nicht von der Größe oder Entwicklung der Wirtschaft ab, sondern vielmehr von der innovativen Nutzung von Produkten und deren Nebenprodukten.

eKapija: Wie könnte das Konzept der Kreislaufwirtschaft für die Länder, Unternehmen und Einzelpersonen rentabel sein?

- Das wirtschaftliche Potenzial für die Volkswirtschaften ist enorm. Wie aus der Studie der Ellen MacArthur Foundation hervorgeht, könnte die Kreislaufwirtschaft die Ressourcenproduktivität Europas bis 2030 um 3 Prozent steigern, was zu Kosteneinsparungen von 600 Milliarden Euro pro Jahr und weiteren wirtschaftlichen Vorteilen von 1,8 Billionen Euro führen würde.

Das wirtschaftliche Potenzial der Kreislaufwirtschaft basiert auf der Schaffung von Mehrwert über den gesamten Lebenszyklus eines Produkts, ohne ständig mehr Waren zu produzieren oder mehr Rohstoffe zu gewinnen. Unternehmen schaffen Mehrwert für ihre Produkte durch Dienstleistungen und intelligente Ansätze sowie durch Wartung, Wiederverwendung und Wiederaufbereitung von Produkten und durch Maximierung ihrer Nutzungsraten.

eKapija:Wie kann man den Bürgern die Bedeutung einer Kreislaufwirtschaft näher bringen?


- Die Bürger spielen beim Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft eine entscheidende Rolle, da die Art und Weise, wie wir konsumieren, eine Schlüsselrolle bei diesem Wandel spielt. Um die richtigen Entscheidungen treffen zu können, muss man sich bewusst sein. Daher ist es wichtig, die Diskussion über die Umweltauswirkungen des Alltags zu intensivieren und die Menschen zu nachhaltigen Entscheidungen zu inspirieren. Wir bei Sitra betonen, dass die Kreislaufwirtschaft bestenfalls dazu beiträgt, den persönlichen CO2-Fußabdruck zu verringern und die Lebensqualität eines Einzelnen zu verbessern.


Wir haben zum Beispiel eine Website veröffentlicht, die die Umweltauswirkungen alltäglicher Entscheidungen beschreibt: 100 Möglichkeiten, intelligent und nachhaltig zu sein.

eKapija: Napori fonda Sitra prepoznati su 2018. na skupu u Davosu. Koji su vaši trenutni ciljevi i na šta se sada fokusirate?
– Nastavljamo da pokrećemo promene u finskom društvu kroz finansiranje i saradnju na širokom planu. Uz to, u budućnosti, Sitrine aktivnosti će sve više imati međunarodni karakter. Cilj narednog projekta jeste da se rešenja cirkularne ekonomije primene globalno, da bi se odgovorilo na globalne izazove vezane za održivost.

eKapija:SITRA wurde 2018 in Davos für seine Arbeit ausgezeichnet. Was sind die aktuellen Ziele und der Schwerpunkt dieses Fonds?

- Wir treiben den Wandel in der finnischen Gesellschaft durch Finanzierung und umfassende Zusammenarbeit weiter voran. Darüber hinaus wird die Arbeit von Sitra in Zukunft mit einer zunehmend internationalen Ausrichtung fortgesetzt, da das Ziel für das nächste Projekt darin besteht, faire Kreislaufwirtschaftslösungen global zu skalieren, um die globalen Nachhaltigkeitsherausforderungen zu bewältigen.

eKapija: In den letzten Jahren wurde das Bewusstsein für Umweltschutz geschärft. Wie sehen Sie die Welt von 2050?

- Wenn wir jetzt die richtigen Entscheidungen treffen und uns dazu verpflichten, könnten wir im Jahr 2050 eine Welt sehen, die es bereits geschafft hat, das Wohlergehen des Menschen und das Wachstum von der Nutzung der Umwelt und der biologischen Vielfalt zu entkoppeln. Wir haben die begrenzte Menge an unberührten natürlichen Ressourcen verstanden und die Wirtschaft wurde an ökologische Planetengrenzen angepasst.

Sandra Petrović
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