Quelle: eKapija | Montag, 08.12.2008.| 14:20
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Dr. Dragan Švrakić, Psychiater und Professor an der Washington Universität in Saint Louis – Leben zwischen Balgrad, Saint Louis und Mexiko

Dragan Švrakić

Er kann jemanden nicht beim ersten Treffen durchschauen, er behauptet, das sei unmöglich, obwohl man unzählige Lebensgeschichten mitbekommen und von tiefen Ängsten, großen Lieben und Leiden gehört hat...Die Literatur kann ihm deshalb nur Weniges im Vergleich zu seiner Praxis bieten. Er gesteht, dass er nur selten liest, weil er Erlebnisse seiner Patienten in Schicksalen der klassischen Helden wie Don Quichotte, Anna Karenina oder der kleine Prinz erkennt...

Dr. Dragan Švrakić, Psychiater, Mitglied der Serbischen Akademie für Wissenschaften und Künste (SANU) und Professor für Psychiatrie an der Washington Universität in Saint Louis, ist sechsundfünfzig Jahre alt. Er behauptet, in jener Lebensphase zu sein, wenn man sich oft die Frage "Wie weiter?" stellt.

Švrakić glaubt an drei großen existenziellen Wenden in jedem Leben – im Alter von 18, dann nach dem vierzigsten Geburtstag, wenn man das Erreichte überprüft und bewertet und später, wenn er einen den Rest seines Lebens gestalten soll.

- Ich muss nor noch meine Tochter zur Uni "schicken" – sagt Švrakić im Scherz.

Švrakić war unlängst in Belgrad, um am Kongress der Psychiater Serbiens und am Mitteleuropäischen Kongress für Neuropsychopharmakologie teilzunehmen und gemeinsam mit seinem Bruder, Dr. Slobodan Švrakić, die Klinik für Suchtkranke "Naltrex Zone" zu eröffnen.

Dragan und Slobodan Švrakić

Švrakić will seine langjährige Erfahrung und die neuesten, in den USA angewandten Methoden zur Behandlung von Suchtkranken nach Serbien bringen. Er hofft auf diese Weise, zahlreichen Patiente zu helfen, die entsprechende Therapien heute nur im Ausland finden können. Obwohl er in Saint Louis lebt, glaubt er, dass er Kollegen in Belgrad unterstützen kann.

- Meinen Diplomabschluss habe ich in Belgrad gemacht und den Doktorgrad mit einer Dissertation zum Thema "Narzistische Persönlichkeitsstörung" erlangt. 1987 erhielt ich das Humboldt-Stipendium und siedelte in die USA um. Dort habe ich mich mit der Entwicklung der Persönlichkeitsstruktur beschäftigt bzw. mit Faktoren (genetische Eigenschaften und soziales UmfeldI, welche die Entwicklung einer Persönlichkeit bestimmen. Wir haben eine der führenden Persönlichkeitstheorien in der Welt entwickelt. Die Forschungen auf diesem Gebiet haben mein Interesse an Suchtkrankheiten geweckt. Drogensüchtige kamen mir damals als Experimente in vivo vor. Sie schließen sich selbst aus Stimulanzen aus, die auf andere Menschen einwirken. Anstatt, z.B., ihre Probleme durch Interaktion mit anderen Menschen zu lösen und zu kreative Lösungen zu kommen, eliminieren sie sich durch Einnahme von Rauschmittel aus dem Prozess der Problemlösung. Sie haben nur Illusion, das Problem gelöst zu haben. Sie stellen ein gutes Beispiel dafür dar, was passiert, wenn man sich aus normalen Interaktionen ausschließt.

Die Analyse der Persönlichkeitsstruktur eines potenziellen Drogensüchtigen wies auf folgende Charakteristiken hin – Suche nach Neuem, Leid vermeiden, Hunger nach Preisen und Beharrlichkeit.

Er ist als großer Experte sowohl im In- als auch im Ausland bekannt und oft zitiert. Mit dem Erreichten sei er zufrieden - er hat zur Entwicklung der Psychiatrie beigetragen, so dass sein Name nach dem Tod nicht vergessen wird. Instrumente zum Messen von Temperament werden sicher über seines Tod hinaus leben.

Realist

Gebeten, sich als Pessimisten oder Optimisten zu bezeichnen, sagte er, eher realistisch zu sein.

- Ich bin Agnostiker und deshalb nicht religiös. Ich besuche die Kirche nicht und bete nicht. Man könnte sagen, dass das Leben an sich pessymistisch ist, weil das Sterben mit dem Geburt beginnt. Der Tod wird aber als etwas weit entferntes und unberechenbar berachtet. Unser Leben ist aber ein großer Wettkampf, vom Beginn bis Ende – meint Švrakić und weist auf glückliche und traurige Phasen seines Lebens hinzu.

Zu siegen, ist Dragan Švrakić nicht nur in seinem Beruf gewöhnt. Er hatte immer gern Fußball gespielt.

- Fußball ist der langweiligste Sport der Welt zu sehen, aber sehr interessant zu spielen – sagt Švrakić und erklärt, in seiner Jugend beim Belgrader Fußballverein "Obilić" traniert zu haben.

Die Krone seiner "Sportkarriere" in den USA war der Titel des besten Torschützes in Saint Louis. Er ist inzwischen in den "Ruhestand" getreten, weil "seine Knie immer mehr protestiert haben".

Dragan Švrakić erholt sich in seinem Haus in Mexiko.

- Mexiko ist ein Paradies auf Erden. Unendliche weiße Sandstrände, die in der warmen und türkisfarbenen Karibik verschwinden. Die durchschnittliche Wassertemperatur liegt dort bei 27 ºC über das ganze Jahr. Die Erholung unter Palmen, mit Papageien und Avocados.

Er vergleicht Saint Louis und Belgrad. Genauso wie Belgrad liegt Saint Louis an der Mündung zwei großer Flüsse. Der Missuri mündet hier in den Missisippi. Das Kulturangebot in Belgrad sei aber reicher als in Saint Louis.

- Saint Louis hat eine gute Philharmonie, ausgezeichnetes Opernhaus und Theater, eine Freilichtbühne und das ist alles. Ziemlich bescheiden für eine Stadt mit 2,5 Einwohnern.

Auf die Frage – Hat er vor, nach Belgrad zurückzukehren?

Antwortet er mit der Frage – Gibt es überhaupt jemanden, der so etwas nicht vorhat?

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