Quelle: eKapija | Donnerstag, 29.12.2016.| 10:49

Miodrag Poledica, Staatssekretćr im Ministerium für Bau, Verkehr und Infrastruktur - Neue Seidenstraße ist große Chance für Serbien

Miodrag Poledica (Foto MGSI)

Der Anteil der auf der Schiene beförderten Güter im Binnenverkehr in Serbien liegt zwischen 10 und 15%, obwohl das Potenzial, laut Worten der Fachleute, viel größer ist. In den Wiederaufbau der Eisenbahnen in Serbien sollten in der folgenden Zeit rund 3 Milliarden EUR investiert werden. Die verbesserte Infrastruktur wird sicher zum Anstieg des Schienenverkehrs beitragen, unterstreicht man im Ministerium für Bau, Verkehr und Infrastruktur.

Für den Anstieg des Schienengüterverkehrs muss man nicht nur die Infrastruktur modernisieren, sondern auch noch eine Reihe von Bedingungen erfüllen: neue Züge erwerben, die Organisation verbessern, Logistikzentren, Güterterminals und ein intermodales Transportsystem entwickeln und private Bahnbetreiber einführen. Serbien könnte, außerdem, von der "Neuen Seidenstraße" profitieren.

Über Potenziale des Schienengüterverkkehrs, Perspektiven und aktuelle Projekte der serbischen Eisenbahnen haben wir mit Miodrag Poledica, Staatssekretär im Ministerium für Bau, Verkehr und Infrastruktur gesprochen.

eKapija: Was sind die Prognosen für den Anstieg des Schienengüterverkehrs in Serbien?

- Im Laufe 2015 wurden 11.887.600 t Güter im Binnenverkehr in Serbien auf der Schiene befördert, und 2016 ca. 11.599.200 t. Man muss aber nicht vergessen, dass das Schienenverkehr im Zeitraum vom Januar bis September 2016 für insgesamt 94 Tage unterbrochen wurde. Die Unterbrechung im Verkehr mit Griechenland hat vom 1. Januar bis 15. Juli 2016 gedauert.

Wenn es um Prognosen für die folgende Zeit geht, und in Hinsicht auf die vorgesehenen Arbeiten an der Infrastruktur (Eisenbahnkorridor 10 und die Strecke Belgrad-Bar), die vorübergehend zur Stillegung des Verkehrs führen, sollten 2017 11.975.100 t Waren auf der Schiene befördert werden. Diese Menge sollte in den kommenden Jahren auf 15 Mio. t jährlich steigen.

eKapija: Unlängst wurde der lang erwartete kommerzielle Vertrag über den Bau des ersten Teilabschnitts der Strecke Belgrad-Budapest mit einer chinesischen Firma unterzeichnet. Wie wichtig ist diese Strecke für den Marktanteil des Schienengüterverkehrs am gesamten Binnenverkehr in Serbien, in Hinsicht darauf, dass diese Streck zu den wichtigsten Projekten der serbischen Eisenbahnen gehört?

- Die Modernisierung, Rekonstruktion und den Bau der Srecke Belgrad-Budapest ist vo großer Bedeutung wenn es um die Beteiligung des Schienengüterverkehrs am gesamten Güterverkehr in Serbien geht. Die verbesserte Infrastruktur wird sicher zur erhöhten Nachfrage nach dieser Form des Güterverkehrs beitragen, insbesondere in Hinsicht auf die angekündigte Intensivierung des Güterverkehrs zwischen dem griechischen Hafen Piräus und Nordeuropa.

(FotoFranz Pfluegl/shutterstock.com)
Nach der Vollendung der Arbeiten an der Strecke Belgrad-Bar könnte die Menge der beförderten Waren auf sogar 20 Mio. t steigen. Bisherige Analyse und Prognosen zeigen, dass 10-15% des Straßengüterverkehrs auf die Schiene umgestellt werden könnten, abhängig von der Region in Serbien.

eKapija: Serbien liegt an der chinesischen "Neuen Seidenstraße". Wie Unternehmen, und insbesondere Transportunternehmen, die Initiative zur Beschleunigung des Güterverkehrs zwischen der EU und der Volksrepublik China nutzen könnten?

- Auf Initiative des chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping überlegt man die Möglichkeite, durch Investitionen in die Verkehrs- und Transportinfrastruktur eine Wirtschaftsgebiet entlang der ursprünglichen "Seidenstraße" zu bilden und eine "Maritme Seidenstraße" für das 21. Jahrhundert zu schaffen, um den Handel, die finanzielle Zusammenarbeit und den Warenverkehr zwischen der Volksrepublik China und allen Ländern entlang der Straße zu erleichtern und intensivieren.

Die "Neue Seidenstraße" führt durch den Bosporus und über den Balkan, und seine maritme Varijante endet in Griechenland, im Hafen von Piräus. In Hinsicht darauf und auf die geographische Lage Serbiens, haben wir die große Chance sich zu einem seriösen Handels- und Verkehrsknotenpunkt in der Region zu entwickeln.

Im Einklang mit den aktuellen Prognosen und auf die eben realiseirten Investitionen, können wir damit Rechnen, dass die "Neue Seidenstraße" die Dauer der Gütertransporte zwischen Europa und China um sogar drei Wochen verkürzen wird.

Serbien könnte vielfach von der "Neuen Seidenstraße" profitieren, insbesondere in Hinsicht auf die Aktivitäten der Regierung Serbiens im Bereich der intensiveren Realisierung von infrastrukturellen Projekten und der Verbesserung des Geschäftsumfelds für Transportunternehmen.

eKapija: Um das volle Potenzial der serbischen Bahn zu nutzen, müssen in ganz Serbien Logistikzenre, Güterterminals und intermodale Transportsysteme entwickelt werden, um unsere Wirtschaft mit dem europäischen Transportnetz und Seehäfen zu verbinden. Wie weit ist der Bau des intermodalen Terminals in Batajnica fortgeschritten? Der Baubeginn wurde für dieses Jahr angekündigt.

- Im Rahmen des Projekts zum Bau des ersten modernen intermodalen Terminals in Belgrad sind die Erstellung von Projekten, der Bau, die fachgerechte Aufsicht, die Ausstattung des intermodalen Terminals sowie die Enteignung von notwendigen Parzellen vorgesehen. Der Baubeginn ist im zweiten Halbjahr 2017 möglich, aber das hängt in erster Linie davon ab, ob man uns die Finanzmittel im Rahmen des Instruments für die Heranführungshilfe 2015 gewähren wird.

(FotoMGSI)
Der bestehende intermodale Bahnterminal ist im Betrieb, und er wurde Mitte des Jahres aus dem Save-Amphitheater auf einen neuen vorläufigen Standort im Rahmen der Rangierstation - Makis Belgrad verlegt. Der bestehende Terminal ist in der Lage, bestehenden Container-Güterverkehr zu decken.

eKapija: Seit einem halben Jahr haben wir den ersten privaten Bahnbetreiber in Serbien, das Unternehmen "Kombinovani prevoz". Warum die Liberalisierung des Schienenverkehrs keine größere Anzahl von privaten Bahnbetreiber angezogen hat?

- Die Regierung Serbiens hat sich in der vergangenen Zeit sehr intensiv mit der Reform des Eisenbahnsektors und der Liberalisierung des Marktes in diesem Bereich beschäftigt.

Jedes privates Transportunternehmen, der in Serbien registriert ist und im Einklang mit dem Gesetz über Eisenbahn und dem Gesetz über Sicherheit und Interoperabilität des Schienenverkehrs alle erforderten Zertifikaten und Lizenzen besitzt, kann sich um Trassen im Zuständigkeitsbereich des Eisenbahninfrastrukturunternehmens "Infrastrutkura zeleznice Srbije" AG bewerben, nach Bedingungen, die diese Gesellschaft jährlich bestimmt.

11 Bahnbetreiber (einschließlich zwei Gesellschaften, die von der Regierung Serbiens gegründet wurden) haben Lizenzen für den Transport auf der Schiene. "Kombinovani prevoz Beograd" ist das einzige private Unternehmen, das sich bisher bei "Infrastruktura zeleznice Srbije" um eine Trasse beworben hat.

Das Ministerium für Bau, Verkehr und Infrastruktur hat die Bedingungen für die Liberalisierung des Eisenbahnmarktes geschaffen, kann aber nicht das Interesse privater Unternehmen beeinflußen.

DIE WICHTIGSTEN PROJEKTE

Zu den wichtigsten Projekten zur Modernisierung des Schienenverkehrs in Serbie sind diejenige, die über den Eisenbahnkorridor 10 Serbien mit Ungarn, Bulgarien, Mazedonien und Kroatien verbinden, sowie die Strecke Belgrad-Vrbnica-Grenze zu Montenegro und Belgrad-Vrsac-Grenze zu Rumänien. Das Projekt zur Rekonstruktion und Modernisierung der Strecke Belgrad - Subotica - Grenze zu Ungarn gehört auch zu wichtigeren Projekten.

Die wichtigsten Finanzierungsquellen sind EIB, EBRD, russischer Kredit, Instrument für die Heranführungshilfe IPA, WBIF, Budget der Republik Serbien sowie potenzielle Kreditgeber, mit denen derzeit verhandelt wird.

I.B.

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