Quelle: eKapija | Donnerstag, 06.10.2016.| 17:46
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Predrag Mihajlovic, Chefredakteur von Blic - Videosektor wird unsere Stütze in der Zukunft sein

Predrag Mihailović (FotoRAS Arhiva)
Die Belgrader Tageszeitung Blic hat unlängst seinen 20. Jahrestag in Serbien gefeiert. Das Jubiläum wurde im Beisein von mehr als 1.500 Gästen aus der Welt der Politik, Diplomatie, Wirtschaft, Sport, Kultur und Show-Business gefeiert.

In einem Interview für das Wirtschaftsportal "eKapija" erzählt Predrag Mihailovic, dass sie das Jubiläum als die erste und am erfolgreichsten integrierte Redaktion auf dem Balkan gefeiert hätten, die in der Print- und Online-Ausgabe mehr als zwei Millionen Leser erreicht.

- Wir sind uns aber sehr wohl bewusst, dass es nicht nur sehr viele Möglichkeiten in der Medienbranche und in der digitalisierten Welt, sondern auch zahlreiche Herausforderungen gibt, die wir als Journalisten überwinden müssen.

eKapija: Wenn Sie in die Vergangenheit zurückblicken, was hat die Redaktionspolitik und die Geschäftsführung von Blic am meisten geprägt? Wie war es damals und wie ist es heute? Was waren die Meilensteine?

- Als die erste Ausgabe am 16. September 1996 veröffentlicht wurde, waren nur seine Gründer von seinem Erfolg überzeugt. Die neue Tageszeitung wurde von seinen künftigen treuen Lesern mit Freude begrüßt, und von Meinungsmachern des damaligen Regimes wegen ihrer Meinungsfreiheit befürchtet. Die Tageszeitung mit einer hohen Auflage und sehr kritisch gegen der Regierung ähnelte damals einer Diversion, die auf der zweifellosen Mut und Bereitschaft der Redakteure und Journalisten beruhte, sich in den ungleichen Kampf mit ungewissen Erfolgsaussichten einzugehen. Der Kampf gegen Slobodan Milosevic und sein Regime war sehr hart. Unsere Zeitung war eine freie Bühne für die damals verfolgte und verteufelte Opposition. Der Hauptredakteur wurde sehr oft zum Verhör in die Polizei eingeladen, die Druckerei des Zeitungsverlags "Borba" hat nicht einmal abgelehnt, unsere Zeitung zu drucken, die Polizei hat uns den Eingang in die Redaktion gesperrt. Diese Jahren wurden durch den Kosovo-Krieg, NATO-Luftangriffe und den Untergang von Slobodan Milosevic geprägt. In den vergangenen 20 Jahren haben wir in mehr als 7.000 Ausgaben über politische Veränderungen und ihre Folgen, soziale Fragen, wirtschaftliche und globale Turbulenzen berichtet.

eKapija: Was hat der neue Inhaber, das Unternehmen Ringier gebracht?

- Der ausländische Inhaber, das seriöse multinationale Inhaber Ringier Axel Springer hat uns in erster Linie die Stabilität gebracht. Wir sind immun gegen lokale politische Entwicklungen, dubiose Geschäftsleute und verschiedene Machenschaften. Wir haben die absolute Freiheit, unsere Redaktionspolitik kompromisslos durchzuführen und von unseren Werten: die journalistische Professionalität, die Förderung der starken Marktwirtschaft, der Versöhnung im ehemaligen Jugoslawien und der Annäherung an EU-Werte, der Widerstand gegen jede Form von Nazismus, Nationalismus, Faschismus, Extremismus und extremistischen Ideologien - nicht abzuweichen.

eKapija: Sie haben eine integrierte Redaktion eingeführt, oder genauer gesagt, gleiche Journalisten schreiben für verschiedene Ausgaben. Was sind die Ergebnisse?

(Foto Zoran Lončarević, RAS arhiva)
- Die kontinuierliche Modernisierung ist Impoerativ unserer Nachrichtenredaktion, die zu einem Pionier in vielerlei Hinsicht geworden ist: von der Art und Weise der Berichterstattung, über einem attraktiven und modernen Layout, bis Anwendung der modernsten technischen Lösungen. Wir waren die ersten in diesem Teil Europas, die eine integrierte Redaktion eingeführt und uns für die Ära der allumfassenden Digitalisierung vorbereitet haben. Die Online-Ausgabe von Blic ist das meistbesuchte und -gelesene Nachrichtenportal in Serbien und der ex-jugoslawischen Region: Blic.rs hat zwei Millionen einzelne Nutzer und 180 Millionen Seitenaufrufe täglich.

eKapija: Trotz des wachsenden Einflusses des digitalen Journalismus ist Ihre Print-Ausgabe noch immer überlebensfähig. Wie sind die Prognosen für die nächste Zeit?

- In den vergangenen 20 Jahren, mit mehr als 7.000 Ausgaben, haben wir Dinge beim richtigen Namen genannt, unabhängig davon, worüber wir berichtet haben: üble Tricks der Politiker, Nachlässigkeit der staatlichen Behörden, Diebstahl in der Zeit der wilden Privatisierung staatlicher Unternehmen und alltägliche Probleme der Bürger. Wir glauben, dass Menschen auch in der Ära der Digitalisierung, wenn die Informationen überall und kostenlos zur Verfügung stehen, weiterhin jemanden brauchen, der ihnen den Hintergrund jedes konkreten Thema, den Kontext der Ereginisse, die mögliche Entwicklungen erklären kann. Das ist sowohl unsere Mission, als auch unsere große Chance.

eKapija: Wie viel Mitarbeiter arbeiten für Blic?

Mehrere hundert Journalisten, Redakteure, Fotografen, Layouter, Fachredakteure, Lektoren, Assemblierer, Videofilmer, Grafiker, Sekretärinnen Fahrer, Kuriere gemeinsam mit Abteilungen, ohne die wir nicht überleen können - Marketing, Verkauf, HR, Finanzen und IT - alle arbeiten gemeinsam. Jetzt, wenn wir zwanzig Jahre alt und auf sie sehr stolz sind, sind wir auch verpflichtet, ihre digitale Kenntnisse konstant zu erweitern.

eKapija: Hat Ringier vielleicht neue Übernahmen vor?

- Das ist eine Frage für das Management, aber ich bin überzeugt davon, dass Zuständige einen guten Überblick über die Medienlandschaft in Serbien haben. Das Management hat das Know-how des Konzerns bisher immer erfolgreich weitergegeben. Mir ist auch bekantn, dass es konkrete Pläne für die Kommunikation mit der Zielgruppe wie Millennials in der nächsten Zukunft gibt.

M.K.

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