Quelle: eKapija | Donnerstag, 29.09.2016.| 13:09
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SSCC Erfolgsgeschichte: Edin Dacic, Inhaber des Unternehmens Daccomet AG - Schweizer Modell für regionales Wirtschaftswachstum

Edin Dacic
Serbien hat riesiges Potenzial, insbesondere im Bereich der Holzwirtschaft, in dem das Schweizer Unternehmen „Daccomet“ tätig ist. Geringere Energie- und Rohstoffkosten, die Nähe zum westeuropäischen Markt und eine relativ gute Infrastruktur stellen die wichtigsten Vorteile des serbischen Marktes dar, und Raum zur Verbesserung der geschäftlichen Umgebung gibt es in der Veränderung der Lohnbesteuerung, in der Anwendung der bestehenden Gesetze und der Einführung von neuen Verfahren.

Mit diesen Worten beschreibt Edin Dacic, Inhaber des Unternehmens Daccomet AG und Mitglied des Vorstands der schweizerisch-serbischen Wirtschaftskammer, das Geschäftsklima und weist zugleich darauf hin, wie Serbien mehr Investitionen aus der Schweiz anziehen könnte.

Das Interview mit Edin Dacic ist das erste in einer Reihe von Gesprächen mit Mitgliedern der schweizerisch-serbischen Wirtschaftskammer, mit denen die Vereinigung und unser Portal die Aktivitäten der Schweizer Unternehmen in Serbien promovieren und die Werte und die bewährten Geschäftspraktiken dieses Landes und seiner Unternehmen hervorheben wollen.

Die Initiative zur Gründung einer solchen Vereinigung sei, laut Worten unseres Gastes, aus der schweizerisch-serbischen Geschäftsgemeinschaft in Serbien gekommen, die immer intensiveres Interesse an der weiteren Entwicklung der schweizerisch-serbischen Wirtschafts- und Handelsbeziehungen zeige.


- Um Unternehmen die Geschäftsausübung zu erleichtern, ermutigt und unterstützt die schweizerisch-serbische Wirtschaftskammer die Entwicklung des Dialogs, bzw. die wirtschaftliche Vernetzung zwischen Kammermitgliedern, Vertretern der staatlichen Organen der Schweiz und Serbiens und der breiteren Geschäftsgemeinschaft. Die Wirtschaftskammer will auch zur Verbesserung des heimatlichen geschäftlichen Umgebung beitragen, und sehr wichtig sind auch ihre Aktivitäten im Zusammenhang mit der Promotion des Konzepts „Swissness“, das Schweizer Werte und Eigenschaften verkörpert – erklärte Edin Dacić.

eKapija: Wo sehen Sie Platz zur größten Verbesserung der geschäftlichen Umgebung?

- In der Verringerung des Unterschieds zwischen dem Brutto- und Nettolohn gibt es, meiner Meinung nach, Platz zur größten Verbesserung. Höhere Lohnkosten als Folge der unrealistisch hohen Abzüge führen dazu, dass die Arbeit für Erwerbstätige wegen des unzureichenden Nettolohns ungenügend attraktiv ist. Die hohen Abgaben tragen zugleich zur Entwicklung eines informellen Arbeitsmarktes und zur Verbreitung der Schattenwirtschaft bei. Zur weiteren Verbesserung gibt es auch Raum in der Vereinfachung von administrativen Vorgängen.

eKapija: Welche schweizerischen Werte könnten in Serbien implementiert werden, um die Wirtschaftstätigkeit zu fördern?

- Es ist eine große Herausforderung heutzutage, einen eigenen Platz auf dem Markt zu finden. Dies erfordert höchste Qualität und Zuverlässigkeit in der Geschäftsführung, was zu traditionellen Eigenschaften schweizerischer Unternehmen und ihren Geschäftspraktiken gehört. Fokussierung, Transparenz, Flexibilität und Veränderungsbereitschaft sind auch gefordert, und all dies fügt sich in das Bild der Schweiz, die für Eigenschaften wie Pünktlichkeit, Effizienz, Zuverlässigkeit, erstklassige Dienstleistungen und Präzision bekannt ist.

eKapija: Sie sind als fünfjähriger Junge mit Ihrer Familie in die Schweiz umgezogen, Sie haben Jugoslawien verlassen. Ende der Neunzigerjahre sind Sie wegen des Geschäfts in Ex-Jugoslawien zurückgekehrt und sich auf geschäftliche Aktivitäten auf dem Balkan fokussiert. Wie hat sich Ihr Unternehmen entwickelt?

- Die Firma Daccomet AG, die ich als Student in Zürich gegründet habe, hat zunächst die Mehrheitsbeteiligung am Unternehmen Standard mit Sitz in Prnjavor in Bosnien-Herzegowina erworben. Daccomet AG ist später zum Mehrheitseigentümer der Firma Jasen Lukić in Serbien geworden und so ist die Fabrik Standard Furniture Serbia in Ćuprija entstanden. Es handelt sich um die einzige Möbelfabrik in Serbien, die die weltweit bekannte, schwedische Möbelmarke IKEA beliefert.

In Bosnien-Herzegowina, wo wir furnierte Möbel sowie furnierte Möbel mit Teilen aus Massivholz herstellen, haben wir im Jahr 2000 ca. 60 Arbeitnehmer vorgefunden. Mittlerweile beschäftigen wir knapp 400 Mitarbeiter. In Serbien besteht unser Portfolio aus Produkten aus Massivholz. Gestartet sind wir dort mit 20-30 Arbeitnehmern und beschäftigen jetzt über 200. Wir sind auf dem globalen Markt präsent und derzeit sehr wettbewerbsfähig, was uns das weitere Unternehmenswachstum ermöglicht. Große Chancen für die weitere Entwicklung sehen wir insbesondere in der Automatisierung und Anwendung von Informationstechnologien. Es liegt an uns, diese Möglichkeiten zu nutzen.

eKapija: Sie haben noch 1999 die erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem schwedischen Möbelhersteller IKEA gestartet?

- Ich hatte Glück, Vertretern des Unternehmens zur richtigen Zeit in Bosnien-Herzegowina zu begegnen. Sie wollten damals Kontakt mit den früheren Zulieferern wieder aufnehmen und neue finden. So hat alles begonnen. Wir haben 2000 sieben Zulieferer von IKEA in Bosnien-Herzegowina finanziert und beraten. Später hat sich herausgestellt, dass das Management den Anforderungen des schnellen, aber zugleich qualitativen Wachstums nicht gerecht werden konnte und wir haben die Zusammenarbeit mit diesen Unternehmen aufgegeben.

Unsere letzte Hoffnung war das Unternehmen Standard. IKEA hat uns mit ihnen in Verbindung gesetzt. Die Entwicklung in Prnjavor hat erst 2005 nach der Privatisierung und nach der Vollendung der ersten Investitionsphase begonnen. Zur gleichen Zeit haben wir einen von Swisscontact vermittelten Berater engagiert. Ähnliches erging uns in Serbien: IKEA hat uns mit dem Unternehmen Jasen Lukić in Verbindung gesetzt, um Vorteile des Freihandels mit Russland zu nutzen. Wir haben das Unternehmen gekauft, darin investiert und die Produktion hochgefahren.

eKapija: Als Schweizer Investor konnten Sie schweizerische Finanzierungsprodukte für KMU nutzen. Wie funktionieren der SECO Start-up Fund und das Programm Senior Expert Corps von Swisscontact?

- Sowohl in Serbien, als auch in Bosnien-Herzegowina sind wir vom SECO Start-up Fund unterstützt worden. Es handelt sich um ein vom schweizerischen Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) entwickeltes Entwicklungs- und Kreditinstrument für die Mitfinanzierung von Investitionsvorhaben schweizerischer Investoren in Entwicklungs- und Transitionsländern. Projekte müssen wirtschaftlich tragfähig sein und bestimmte ökologische und gesellschaftliche Normen erfüllen. Kredite für Start-up-Projekte sollen bis zu 50% der Investitionskosten decken. Es werden also maximal 500.000 sFr pro Projekt, auf eine Laufzeit von 5 Jahren gewährt, aber nur unter der Bedingung, dass Investoren in der Schweiz registriert sind.

Die Unterstützung hat uns außerdem das Senior Expert Corps von Swisscontact geleistet. Es handelt sich um erfahrene, auf verschiedene Bereiche spezialisierte Fachkräfte, die Unternehmen eine schnelle praxisorientierte Unterstützung leisten, ihre Managementkenntnisse und ihr technisches Fachwissen weitergeben, um die Effizienz der Geschäftsführung und die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen und die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Die Berater im Rahmen dieses Programms haben uns sehr viel in Bosnien und in Serbien geholfen.

eKapija: Sie haben das „schweizerische Modell“ bei der Ausbildung von Managern angewandt?

- Investitionen in Humanressourcen sind von großer Bedeutung für die Entwicklung jedes Unternehmens. Es ist bekannt, dass gut ausgebildete Arbeitskräfte am meisten zum Unternehmenswachstum beitragen. In Bosnien und Serbien gibt es herausragende junge Menschen. Sie gehören zu der digitalen Generation und lernen sehr schnell, aber wir haben bei ihnen auch den Mangel an Mut und Selbstvertrauen bei der Arbeit sowie an Vertrauen zu ihren Arbeitgebern gemerkt. Es handelt sich, meiner Meinung nach, um den Bestandteil der sogenannten „balkanischen Mentalität“. Aus diesem Grund ermöglichen wir unseren Mitarbeitern, sich als Manager zu versuchen und mehr unternehmerische Verantwortung zu übernehmen, um sie zu ermutigen und zu fördern. Wir haben notwendige Schritte unternommen, um diese Ziele zu realisieren und haben ihnen die hochwertige Weiter- und Fortbildung ermöglicht.

Unsere Absicht wurde von der Berner Fachhhochschule für Architektur, Holztechnik und Bauingenieurwesen unterstützt, die das „Leadership and Skills Development Training” für uns entwickelt hat. Der erste Ausbildungszyklus im Rahmen dieses Programms wird mit großem Erfolg in Sarajevo und in der Schweiz realisiert, unterstützt von der Schweizerischen Entwicklungszusammenarbeit & Agentur (SDC). Unsere Mitarbeiter werden in kurzer Zeit den ersten Ausbildungszyklus abschließen. Der zweite Zyklus beginnt im September dieses Jahres und er wird neuen „Auszubildenden“ die einzigartige Gelegenheit bieten, an einem Entwicklungs- und Bildungsprogramm in folgenden Städten teilzunehmen: Banja Luka, Mostar und Biel in der Schweiz. Wir werden sicher mehrere Mitarbeiter aus Serbien und Bosnien zum Training schicken.

eKapija: Was würden Sie als erfolgreicher, schweizerisch-serbischer Unternehmer jungen Existenzgründern empfehlen?

- Neben der Motivation und dem Willen zur Arbeit muss man konstant in sich selbst investieren, lernen und relevante Erfahrungen sammeln. Unternehmer, die in ihrer Arbeit leidenschaftlich sind, haben immer die besten Erfolgschancen. Sie beweisen die höchste Kreativität, Innovationskraft und Fokusierung. Ausdauer, Beharrlichkeit und Entschlossenheit in der Arbeit sind auch gefordert, insbesondere in schwierigen Zeiten. Es ist immer am einfachsten aufzugeben. Ich möchte aus diesem Grund jungen Menschen empfehlen, Mentoren zu finden, die ihnen mit entsprechenden Ratschlägen helfen können, sich schneller zu entwickeln und sich mit allen Erfolgsfaktoren und Geschäftsrisiken besser bekannt zu machen. Ich bin auch der Meinung, dass relevante Erfahrungen, die man durch Arbeit in verschiedenen Unternehmen erwirbt den Einblick in die Funktionsweise der Unternehmen, in Produktionsverfahren, zwischenmenschliche Beziehungen, in die Geschäftsführung und Einhaltung von Vorschriften, Regeln und Gesetzen ermöglichen. Ich glaube, dass junge Menschen auf diese Weise zum Verbleiben in der Heimat motiviert werden können. Sie können dadurch die Vorteile der „digitalen Ära“ für die Entwicklung des Geschäfts erkennen und zur Entwicklung des unternehmerischen Geistes ermutigt werden.

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