Quelle: eKapija | Montag, 04.06.2012.| 16:51
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ERSTE GROUP BANK AG: IPOs könnten serbischen Kapitalmarkt wiederbeleben

Marianne Rickl
Marianne Rickl (Fotob)

Einst unter den meist gefragten und heute von der Börse verbannt - So sieht das Schichsal der Aktien der Pleite gegangenen "Agrobanka". Nach dem Rückzug von "Campina" aus den Verhandlungen über die Übernahme von "Imlek" rutschten seine Aktien abrupt ab. Während Investoren an der Belgrader Börse auf die Aktien des staatlichen Telekomanbieters "Telekom Srbije" warten, fließen die Ankündigungen der Behörden, dass endlich alles für den ersten IPO in Serbien bereit sei, die neue Hoffnung ein.

Wie gut Börsengang für die Sicherung des notwendigen Kapitals ist, ob es sich um die beste Privatisieurngsform für öffentliche Unternehmen und restliche Industrieriesen handele und wie sehen die Erfahrungen der Börsen in Mittel- und Osteuropa - alles das haben wir Martin Hintegger und Marianne Rickl, Leiter der Abteilung für Unternehmensfinanzen der Erste Group Bank in Wien gefragt, weil sie am 5. Juni an der BELEX IPO 2012 Konferenz in Belgrad teilnehmen.

eKapija: Wie sieht ein IPO bzw. Börsengang aus. Wie lange dauert der Prozess in Mittel- und Osteuropa?

- Ein Börsengang verlangt 3 bis 6 Monate Vorbereitung vor der eigentlichen Börseneinführung und Notierung, was natürlich von der Komplexität des Projekts und Tatsache abhängt, ob Aktien am einheimischen oder ausländischen Markt geboten werden. Die Aktivitäten während des Prozesses müssen an das Geschäftsjahr und Dynamik der erforderten Berichterstattung angepasst werden. Die meisten IPOs werden entweder für März/April geplant (wenn das Prospekt auf dem jährlichen Finanzbericht beruht), oder für September/Oktober (wenn das Prospekt auf dem halbjährigen Finanzbericht beruht). Man muss auch die saisonellen Aspekte berücksichtigen und einen Börsengang in den Zeiten der verringerten Investitionsaktivitäten am Markt vermeiden - z.B. während der Weihnachten oder Sommerferien.

Die meisten österreichische IPOs und jene in Mittel- und Osteuropa finden am internationalen Markt statt, muss man die internationalen Normen für das erstmalige öffentliche Anbieten von Aktien einhalten. Das umfasst die Vorbereitung internationaler Prospekte (von 6 bis 8 Wochen), ferner Werbung bei institutionellen Investoren (Vor-Marketing-Phase - gewöhnlich 2 Wochen vor dem Börsengang, Organisation eines Roadshows) sowie die Forschung, durchgeführt vom Schirmherrschaft (einer Bank - 4-5 Wochen).

Marianne Rickl
Marianne Rickl (Fotob)
(Martin Hintegger)

eKapija: Was für Unternehmen entscheiden sich am häufigsten für einen iPO in Mittel- und Osteuropa und warum?

- Die meisten Unternehmen, die sich für das erstmalige Angebot von Aktien am öffentlichen Kapitalmarkt entscheiden, sind jene, die nach langfristig nachhaltigen Finanzierungsquellen suchen. IPO garantiert die Stärkung der Kapitalbasis und dadurch die weitere Entwicklung eine Unternehmens. Gelistete Unternehmen können Aktien als Mittel für den Erwerb des notwendigen Kapitals nutzen. IPO garantiert die Unabhängigkeit eines Unternehmens, indem Aktien an mehreren institutionellen und nicht an einen strategischen Investor verkauft werden.

Nicht alle Unternehmen eignen sich für IPO. Investoren suchen nach attraktiven Industriezweigen sowie nach Unternehmen mit klar definierten und einzigartigne Position innerhalb der Branche, Unternehmen mit nachhaltigen komparativen Vorteilen.

Unternehmen müssen sich auch dafür vorbereiten, die Geschäftstätigkeit künftig als öffentliche Unternehmen auszuüben und Forderungen bezüglich der regelmässigen Benachrichtigung der Öffentlichkeit und Transparenz zu erfüllen. Man muss bereit sein, die Kontrolle über das Unternehmen mit anderen zu teilen und in die weitere Entwicklung gemeinsam mit Partnern zu investieren.

eKapija: Wie viel IPOs finden jedes Jähres in der Region Mittel- und Osteuropa statt? Wie hat sich die aktuelle Wirtschaftskrise auf diese Anzahl ausgewirkt?

- Der Kapitalmarkt wird natürlich von der Situation an globalen Märkten beeinflusst. Die Anzahl der IPOs und der neuen Börseneinführungen fiel während des Krisenjahrs 2008 auf Null. Die Erholung begann 2009, wirklich spürbar wurde sie aber erst 2010 mit großen Transaktionen in Asien. Im ersten Quartal 2012 ist es zu einem Rückgang um 24% im Vergleich zum Vorjahr, aber parallel zur Verbesserung des Sentiments und der Stabilität des Marktes.

Marianne Rickl
Marianne Rickl (Fotob)

Die Folgen der Krise sind noch immer am EMEA-Markt (Europa, Nahost und Afrika) durch Rückgang des Umsatzes um 7% im ersten Quartal 2012 zu spüren. Es gab einige IPOs in Europa, aber die Aktien wurden zum größten Teil an eigene Aktionäre geboten (rights issue). Parallel dazu hat der erste IPO in Mittel- und Südeuropa stattgefunden. Einige IPOs wurden in Warschau 2011 und im ersten Quartal 2012 verzeichnet. Polen bleibt deshalb der meist aktive Kapitalmarkt in SEE. 2011 haben wir den ersten IPO nach der Krise in Österreich gesehen (AMAG, Umfang 526 Mio. Euro), ferner ein öffentliches Angebot für eigene Aktionäre wie Lenzing (619 Mio. Euro) und OMV (750 Mio. Euro). In diesem Jahr wurde nur ein Angebot für das Kapitalerhöhung an der Belgrader Börse registriert.

eKapija: Nennen Sie uns die größten Investoren in IPOs in Österreich und Mittel- und Osteuropa?

- IPOs orientieren sich vor allem an internationale institutionelle Investoren und weniger an einheimische institutionellen und privaten Investoren. An der Wiener Börse, als Initiator der Zentral- und Osteuropäischen Börsengruppe (CEE Stock Exchange Group) machen ausländische institutionelle Investoren 75% des Investitionsbasis aus. Weitere 25% entfallen auf österreichische Investoren. Die weitere Analyse zeigt, dass Kapitalanleger aus den USA und Großbritannien mit 43% dominieren. Ihnen folgen Österreicher mit 16% und der Rest entfällt auf Anleger aus anderen europäischen Länder und Japan.

Die große Nachfrage der Anglo-amerikanischen Investoren wurde nicht nur in Österreich, sondern auch an anderen Märkten in Mittel- und Südeuropa registriert.


Grafik 1 - Umfant der IPOs in der ganzen Welt

Marianne Rickl
Marianne Rickl (Fotob)

(Quelle: Dealogic)

Tabelle 1 - Die jüngsten IPOs und begleitende Transaktionen in Mittel- und Osteuropa

Marianne Rickl
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(Quelle: Ipreo)

Grafik 2 - Institutionelle Investoren an der Wienerbörse nach Regionen

Marianne Rickl
Marianne Rickl (Fotob)

(Quelle: Ipreo)


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