Quelle: eKapija | Dienstag, 06.11.2018.| 15:57
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Zunächst U-Bahn und Radwege, erst dann Apps und Sensoren - Intelligente Städte entwickeln neue Technologien im Dienste der Menschen

Der Schwerpunkt in intelligenten Städten soll auf Bürger, und nicht auf Apps, Sensoren und Geräte gelegt werden. Die Technologie muss im Dienste der Menschen sein, um ihren Alltag zu erleichtern. Neue Lösungen und die digitale Transformation des Geschäftsverkehrs und der Städte stellt in Wirklichkeit die Transformation der Gemeinschaftskultur dar. So lautet eine der Schlussfolgerungen des diesjährigen Smart City Festivals.

Teilnehmer der Veranstaltung, die als Projekt der Smart City Education Initiative und der Friedrich Naumann Stiftung für Freiheit realiseirt wird, waren einheimische und ausländische Experten für Stadtentwicklung, Technologie, Politik, Wissenschaft und Wirtschaft. Während der drei Tage des intensiven Programms hatten sie die Gelegenheit, Wissen und Erfahrung auszutauschen, sich zu vernetzen und neue Gechäfte zu machen.
Die Lösungen und die Anwendung der intelligenten Technologien auf der kommunalen Ebene haben die Gäste aus Wien, Prag, Ljubljana, Podgorica, Trikala, Mexiko City, Johannesburg, Berlin, London, Tel Aviv und aus anderen Städten präsentiert.

Die Entwicklung von intelligenten Städten in Serbien wurde vom Minister für Innovationen und technische Entwicklung Nenad Popovic angekündigt, der bei der Eröffnung bekannt gab, dass man im Haushaltsplan für 2019 ein besonderes Budget für Projekte "intelligenter Städte" vorgesehen habe.

Durch Zusammenarbeit zur Entwicklung städtischer Innovationen

Experten sind einigt darüber, dass verschiedene Seiten bei der Entwicklung der intelligenten Städte zusammenarbeiten müssen. Erfolgreiche Innovationen benötigen die Zusammenarbeit zwischen Politikern, Geschäftsleuten, Innovatoren, Unternehmern und Erziehern, glauben sie.

- Die größten aktuellen Projekte in Wien sind EU-Projekte, weil sie uns zur Zusammenarbeit mit anderen Sektoren und Abteilungen zwingen. Es handelt sich um große Unternehmungen. Wir haben das Projekt "Smarter Together" mit einem Budget von 50 Mio. EUR. Es kombiniert den Retro-Look alter Gebäude mit der Implementierung neuer Technologien, mobilen Diensten und E-Autos, Energielagern... Es handelt sich um eines der besten Beispiele für eine intelligente Stadt, die sich mit allen Bereichen befasst - sagte Dominic Weiss, Leiter der Agentur für intelligente Städte der Stadt Wien gegenüber dem Portal eKapija.


Dominic Weiss


Die Hauptstadt von Österreich hat Bildungsprogramme im Bereich der Digitalisierung, durch welche ältere Stadtbewohner lernen können, wie man neue Technologien verwenden kann, aber es gibt zugleich ein Projekt, an dem sich 1.000 Schulen beteiligen, in dessen Rahmen sich Schüler über alles informieren können, was sie von einer intelligenten Stadt erwarten können.

- Wir investieren 2 Mrd. EUR in eine neue U-Bahn-Linie, was ganz im Einklang mit dem Konzept der intelligenten Stadt ist. Wenn man seine Stadt verwandeln und sie in die Zukunft bringen will, muss man sich fragen, was die Ergebnisse einiger Aktivitäten sind. Was könnte das Ergebnis einer neuen Anwendung oder in diesem Falle - einer neuen U-Bahn-Linie sein? Das lässt sich, natürlich, nicht miteinander vergleichen, aber wenn man Innovationen und neue Technologien anwenden möchte, muss man sich bewußt sein, dass das Konzept der intelligenten Stadt nicht nur Sensoren auf Straßen oder Anwendungen für Smartphones umfasst, die ihnen helfen einen freien Parkplatz schneller zu finden - unterstreicht Weiss.
Unser Interviewpartner sagt, dass Bewohner von Wien mit dem Funktionieren der Stadt zufrieden seien, weil die Stadtverwaltung ihnen eine hohe Lebensqualität gesichert hat.

- "Die intelligenteste Stadt" ist meiner Meinung nach die Stadt, die gut funktioniert, an Innovationen und Entwicklung der IT-STruktur arbeitet, alle diese Lösungen täglich und von ihren Bewohnern unbemerkt implementiert - die Stadt, in der man nur leben kann!
In Rumänien wird die Bedeutung der "intelligenten Städte" immer mehr in Betracht gezogen.

Im Haushaltsplan für 2018 wurden zum ersten Mal Mittel für die Entwicklung der Projekte in Zusammenhang mit intelligenten Städten vorgesehen. In diesem Jahr hat das rumänische Ministerium für Medien und Kommunikation in Zusammenarbeit mit der Assoziation Smart City & Mobility die Nationale Strategie der intelligenten Städte veröffentlicht, die Institutionen einschließt und einen Entwicklungsweg für die kommende Zeit präsentiert.

- Wir sehen Städte nicht nur als Anbieter von "intelligenten Dienstleistungen", sondern auch als ihre Nutzer. Wir wollen Bürger als Priorität in den Mittelpunkt stellen! Wir möchten, außerdem, Bildungsprogramme realisieren, im öffentlichen Dienst und für Bürger, weil wir ihnen zunächst erklären sollen, was "intelligente Städte" sind, um sie weiter zu entwicklen - unterstreicht Alexandra Dumitrascu, Entwicklungsdirektorin bei Smart City & Mobility Association.


In einem Gespräch mit eKapija erklärt sie, dass diese Assoziation in den letzten drei Jahren versucht, Kommunen und private Unternehmen miteinander und mit Universitäten und Forschungsinstituten zu verbinden und die Zusammenarbeit mit anderne Nichtregierungsorganisationen und Bürgern zu erweitern, um die Entwicklung inteligenter Städte zu beschleunigen.

- Das Ministerium hat noch 2016 gemeinsam mit den kommunalen Selbstverwaltungen ein Pilotprojekt namens "Intelligente Stadt Alba julija" gestartet. Dieses Projekt ist sehr wichtig, weil es als Vorbild für andere dienen sollte. Andere Städte haben demnächt verschiedene Initiative auf der kommunalen Ebene gestartet. Das Pilotprojekt soll Ende dieses Jahres abgeschlossen werden und wir warten ungedulding auf den 1. Januar 2019, um seine Effekte zu sehen - erklärt sie uns und unterstreicht, dass die Smart City & Mobility Association den Preis Smart City Awards gestiftet habe, der in diesem Jahr im Dezember vergeben werden soll.


Digitalisierung der Bürger viel schneller als die Digitalisierung der Verwaltung

Sarolta Besenyel aus der Europäischen Kommission sagt für eKapija, dass die Kommission an der Entwicklung der Politik der Intelligenten Städte seit 2007 arbeitet. In der kommenden Zeit soll die Entwicklung dieses Sektors eine der Prioritäten sein. Alle Studien und Ergebnisse der Anwendung der Technologien bei der Entwicklung intelligenter Städte hätten, laut ihren Worten, große wirtschaftliche und ökologische Vorteile für die Lebensqualität in den Städten bewiesen.

- Für die Entwicklung intelligenter Städte ist die Verbindung zwischen der Technologie und der Politik der regionalen Entwicklung von großer Bedeutung. Diese Entwicklung beruht auf der Nutzung der Technologie in der regionale Entwicklung. Die Europäische Kommission hat deshalb in ihrem Programm Horizon 2020 besondere Wettbewerbe für Technologien für intelligente Städte - in Bereichen Forschung und Entwicklung vorgesehe. Kommunale Selbstverwaltungen und die Staatsverwaltung können diese finanzielle Plattform nutzen.

Sie weist auch darauf hin, dass die "Digitalisierung der Bürger" in der EU derzeit viel schneller als die "Digitalisierung der Verwaltung" verläuft. Die Digitalisierung der Verwaltung ist unausweichlich, als ihre Verpflichtung gegenüber Bürgern, die moderne Technologien in ihrem Alltag nutzen - alles wird mit Smartphones, verschiedenen Apps durchgeführt, die uns das Leben erleichtern und uns effizienter machen.


Sarolta Besenyei


- In den meisten europäischen Ländern haben wir den Zugang der Regierung zu allen Aktivitäten zentralisiert. Trotzdem stellen wir uns jetzt der neuen Forderung, dass alle Entwicklungen und alle Schritte, die die öffentliche Verwaltung durchführen sollte, gegenüber den Bürgern zentralisiert werden müssen! Das lässt sich nicht leicht machen, aber das ist eine der Prioritäten. Der Vorrang muss auch die Schaffung einer grenzüberschreitenden Plattform auf de europäischen Ebene haben, wenn es um die Technologie und ihre Anwendung geht. Das ist sehr gut in den Digital Single Market Prioritäten der Europäischen Kommission erklärte - sagt Sarolta Besenyei.


Entwicklung der Infrastruktur als Voraussetzung für die Anwendung von Innovationen

Die Gesprächspartner von eKapija unterstreichen, dass sie nicht viel von der Situation in Belgrad und anderen Städten in Serbien wissen, weshalb sie keine konkreten Empfehlungen oder Ratschläge für die weitere Entwicklung und die Richtlinien der Entwicklung unserer intelligenten Städte geben können. Dominic Weiss, Geschäftsführer der Agentur für intelligente Städte der Stadt Wien sagt trotzdem, er habe das Gefühl, dass sich Städte wie Belgrad in erster Linie auf einzelne technische Lösungen fokussieren.

- Sie arbeiten zum Beispiel an Transportsystemen, die den Menschen den Transport erleichtern, den sogenannten Intermodal-Systemen, die ein einfaches Umschalten zwischen verschiedenen Transportarten ermöglichen: Fahrräder (öffentliche Fahrräder, die von mehreren Personen genutzt werden können), Autos können ebenfalls gemeinsam genutzt werden, U-Bahnlinien, Busse und Straßenbahnen. Aber was hier los ist - Sie brauchen zuerst eine U-Bahn, Sie brauchen Fahrräder, Radwege, ein Carsharing-System und ich sehe, Sie haben es nicht!


Sie können auch den Schrittzähler aufteilen, um Ihre Schritte und wichtigen Funktionen zu zählen. Wenn Sie jedoch zum Heizen von Gebäuden Kohle oder Öl verwenden, ist das völlig sinnlos! Oder Sie können Sensoren in Behältern installieren, damit der Müllmann weiß, wann sie entleert werden müssen. Wenn Sie den Müll auf die Straße werfen, müssen Sie sich vorstellen, was Sie tun! Sie haben keine Ergebnisse, Sie erhalten nur gutes Marketing, einige gute Anwendungen und Smartphones, die Ihre Stadt nicht verändern und nicht auf die Zukunft vorbereiten.

Sie müssen eine "echte Infrastruktur" entwickeln, um Innovationen und Zusatzdienste zu implementieren, denn es ist sinnlos, all diese digitalen Tools und Lösungen ohne die richtigen Systeme zu haben - warnt Dominic Weiss.

Marko Andrejić

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