Quelle: eKapija | Freitag, 17.10.2008.| 13:35
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Marek Kuchta, “Lufthansa” – Man wird bald um ein Ticket mehr für Flüge ab Flughafen Belgrad bitten

Marek Kuchta
Marek Kuchta (Fotob)

Ein äußerst liberales Abkommen über die zivile Luftfahrt, das Serbien mit Deutschlang getroffen hat, sicherte Lufthansa die führende Position unter anderen ausländischen Fluggesellschaften in Serbien. Seit dem Anfang des Jahres beförderte Lufthansa mehr als 182.000 Fluggäste aus Serbien, was einem Marktanteil von 22% entspricht. Die Luftfahrtgesellschaft soll weiterhin im Einklang mit der Strategie „Verkauf, Verkauf und Verkauf“ arbeiten, erklärte Marek Kuchta, Lufthansa-Generalmanager für Serbien, Mazedonien und Montenegro. In einem Interview für „eKapija“ war Kuchta überzeugt, dass die Nachfrage nach Luftfahrtdienstleistungen in Serbien unausweichlich zunehmen wird, was Lufthansa zusätzlich zu Investitionen in Serbien ermutigt hat.

eKapija: Die aktuelle Krise in der Luftfahrtindustrie ermöglicht großen ausländischen Fluggesellschaften, stark betroffene Konkurrenten für wenig Geld zu üernehmen. Wie kühn sind Pläne von Lufthansa?

- Äußerst kühn. Die Übernahme der „Swiss International Airlines“ 2007 war bisher die größte, die „Lufthansa“ unternommen hat. Die schweizerische Fluggesellschaft hat seine Tätigkeit als unabhängiges Unternehmen und unter demselben Namen fortgesetzt, aber alle Entscheidungen über Investitionen und der Expansion werden von Geschäftsleitungen beider Gesellschaften getroffen. Wir haben Anfang dieses Jahres 35% der Aktien der US-Amerikanischen Fluggesellschaft „Jet Blue“ aufgekauft. „Lufthansa“ hat Interesse an „Austrian Airlines“ offiziell bekundet und verhandelt momentan über die italiensiche "Alitalia“ und skandinawische SAS. Wir beteiligen uns mit 45% an „Brussels Airlines“, die wir unlängst für 65 Mio. Euro übernommen haben. "Lufthansa“ hat einen Anteil von 20% an "British Midland" sowie 39% von "Eurowings", der der Billigflieger "Germanwings" gehört. Es lohnt sich momentan, andere Fluggesellschaften zu übernehmen, aber nicht wegen ihres Ansehens oder Flotte, sonder wegen ihrer Marktanteile. "Lufthansa" will sich die aktuelle Situation zunutze machen und ihre Marktposition stärken.

Die Starken sind sicher in der Lage, die aktuelle Krise zu überleben. Wir werden danach ein klares Bild von der Luftfahrt und Luftfahrtindustrie haben. Überlebenschancen haben nur jene Fluggesellschaften, die ein Jahr mit Verlust arbeiten können. Die aktuelle Situation ist besonders negativ für Unternehmen, die verkauft werden sollen.

eKapija: Wie kommentieren Sie das Desinteresse der Luftfahrtgesellschaften für „Jat Airways“?

- Wir haben uns um „Jat“ nicht beworben, weshalb uns Details und Ausschreibungsbedingungen unbekannt sind. Ich kann deshalb den ersten Privatisierungsversuch nicht kommentieren.

eKapija: Hat das Desinteresse potenzieller Käufer "Jat" vielleicht für bessere Zeiten bewahrt?

- Wir könnten so etwas sagen. Im Moment, wenn der Wert aller Fluggesellschaften in der Welt durch Finanzkrise mehrfach gefallen ist, ist der Verkauf keine gute Lösung. Einige kleinere Fluggesellschaften haben aber große Verluste gebucht, weshalb sei den einzigen Aurweg im Verkauf hatten. Serbien benötigt, meiner Meinung nach, eine nationale Fluggesellschaft genauso wie ihre Umstrukturierung und Modernisierung. Es ist gut, dass die Regierung sie retten will. Der Einstieg eines strategischen Partners hat sich inzwischen als die beste Lösung für kleinere Luftfahrgesellschaften wie „Jat Airways“ erwiesen. „Jat" ist unser Partner seit mehreren Jahrzehnten. Mit geschäftlichen Ergebnissen in Serbien sind wir äußerst zufrieden und hoffen, dass wir die aktuelle Krise überwinden werden.

Marek Kuchta
Marek Kuchta (Fotob)

eKapija: Hat man einen richtigen Moment für die Privatisierung von „Jat tehnika“ gewählt?

- Ja. Ich glaube, dass die Ausschreibung von 70% Kapitals des Unternehmens eine gute Entscheidung ist. Unternehmen, das die Wartung und Reparatur von Flugzeugen zu günstigen Preisen bieten kann, erscheint als die beste Lösung während der finanziellen Krise. Ich bin überzeugt, dass solche Forderungen in Serbien leicht erfüllbar sind. Ich würde jeden potenziellen Anleger zur Investition in „Jat tehnika“ ermutigen. Das modernisierte Unternehmen für Wartung und Reparatur von Flugzeugen kann beträchtlich mehr Kunden unter ausländischen Luftfahrgesellschaften als jetzt anziehen.

eKapija: Man hat früher oft von der Zusammenarbeit zwischen "Jat tehnika" und "Lufthansa Technik" geredet. Wissen Sie etwas davon?

- Mir ist bekannt, dass "jat tehnika" und "Lufthansa Technical Training", Tochterfimra von "lufthansa Technik" über die Gründung einer Schule für Flugmechaniker und -techniker verhandelt haben, verfüge aber über“keine neue Informationen. Ich weiß nämlich nicht, ob diese Idee realisiert worden ist, weil „Lufthansa Passenger Airlines“ ganz unabhängig von „Lufthansa Technik“ ist, natürlich im Rahmen des gleichen Konzerns.

eKapija: Sie haben gesagt, mit Ergebnissen in Serbien zufrieden zu sein. Kann man das durch Zahlen darstellen?

- Wir verzeichnen konstanten Zuwachs von Fluggästen: 2007 haben wir 203.000 Passagiere befürdert. Seit dem Anfang dieses Jahres nahm ihre Anzahl um 20% zu. Mit einem Anteil über 22% ist "Lufthansa" die größte ausländische Fluggesellschaft an diesem Markt.

„Lufthansa“ realisiert wochentlich 42 Flüge nach Deutschland ab Flughafen in Belgrad: 14 nach Frankfurt, 7 nach Düsseldorf und 21 nach München. „Swiss“ fliegt 7-mal wochentlich nach Zürich und hat 2 Flüge nach Basel eingeführt. Die Gesellschaft deckt 3% des serbischen Marktes. Wir bieten Passagieren (nach dem Winterflugplan) 194 Reiseziele in 79 Ländern weltweit an. Dank unserer Mitgliedschaft in der "Star Alliance" und Zusammenarbeit mit anderen Fluggesellschaften können sie unter mehr als 960 Reiseziele in 160 Ländern wählen.

eKapija: Welche Reiseziele sind von Passagieren aus Serbien bevorzugt?

- Meine Antwort wir Sie sicher überraschen – Shanghai. Wir haben die meisten Tickets für diese Stadt verkauft. Ihm folgen europäische Länder, in denen die meisten serbischen Auswanderer leben – Deutschland, Österreich, die Schweiz... Sehr gefragt sind Flüge nach New York, obwohl ich geglaubt hat, dass man größeres Interesse für Chicago zeigen wird. Spanien und Portugal sind auch beliebt.

eKapija: Ist unser Markt interessant für Billigflieger?

- Sehr. Der serbische Markt könnte Billigfluggesellschaften sehr interessant sein. Es handelt sich um eine multikulturelle und –nationale Gemeinschaft, in der enge Familienverhältnisse gepflegt werden. Man besucht oft Verwandte und Freunde in Nachbarländern. Alle Passagiere, die momentan mit dem Bus, Auto oder Zug fahren, sind potenzielle Kunden solcher Luftfahrtgesellschaften. Es gibt, außerdem, viele Auswanderer, was ein großer Vorteil ist, wenn es um Billigfluggesellschaften geht. Solche Unternehmen versuchen, Menschen an Fliegen zu gewöhnen, was die Nachfrage automatisch erhebt. Passagiere wechseln später leicht von Billig- zu klassischen und etwa teuereren Fluggesellschaften. Einwohner von Serbien reisen gern und warten gespannt auf die neue Chance dafür. Sie sind, außerdem, bereit, viel während der Feiertage und Ferien auszugeben. Momentan sind, leider, nur „Germanwings“ (fliegt nach Köln und Stuttgart) und „Norwegian Air Shuttle“ (nach Oslo) in Serbien tätig.

Marek Kuchta
Marek Kuchta (Fotob)

eKapija: Was könnte die Ursache dafür sein?

- Vor allem ein streng geregeltes Markt, obwohl Serbien das Abkommen über den offenen Himmel unterzeichnet hat. Das Abkommen ist aber noch immer nicht in Kraft getreten, weshalb die früher unterzeichnete bilaterale Verträge mit bestimmten Ländern noch immer gelten. Die Anzahl der aktiven Flughäfen und ihre Kapazität stellen noch einen einschränkenden Faktor dar. Das bedeutet, dass der Himmel über Serbien noch immer für viele ausländische Billigflieger geschlossen ist. Der Vertrag, den Serbien mit Deutschland abgeschlossen hat, ist beträchtlich liberaler als andere. Wenn das OH-Abkommen in Kraft tritt, soll Serbien beträchtlich attraktiver für andere Fluggesellschaften sein. Das Abkommen erleichtert die Einführung von neuen Fluglinien in Richtung anderer Unterzeichner.

eKapija: Welche Vorteile kann “Lufthansa” aus dem im März dieses Jahres unterzeichneten OH-Abkommen mit den USA ziehen?

- Das Abkommen hat uns Vor- und Nachteile gebracht. Das Abkommen erlaubt Fluggesellschaften nicht nur von Flughäfen in ihrem Heimat, sondern in ganz Europa zu starten. Die einzigen Beschränkungen beziehen sich auf die Kapazität der Flugzeuge und Flughäfen. "Lufthansa" durfte bisher nach Chicago nur ab Flughäfen in Deutschland fliegen, sie kann künftig dafür Londoner "Hethrow" nutzen. Der Markt wird dadurch größer, aber die Konkurrenz wird gleichzeitig härter, weil alle gleichen Chancen bekommen. Ist es realistisch zu glauben, dass "Lufthansa" aus Frankreich nach New York oder aus London nach Chicago fliegen wird, frage ich mich. Es handelt sich gleichzeitig um große Investitionen, weil man Gebühren für die Unterbringung von Flugzeugen und andere Kosten entrichten muss. Eins ist aber sicher – Vertrag über den offenen Himmel ist ideal für Passagiere, weil es das Angebot erweitert. Seine Effekte sind aber erst nach der Finanzkrise zu sehen.

eKapija: „Lufthansa“ ist für ihre Investitionen in moderne Technologien bekannt. Können Sie uns die neuesten Lösungen beschreiben?

- Wir haben viele Neuigkeiten. Die Möglichkeit, sich von zu Hause zu checken hat unsere Kunden begeistert. Unser nächster Schritt ist das Checken über das Mobiltelefon, das seine Bordingticket darstellt. Das Handy muss nur einen Internetzugang haben, damit sie Ihr Ticket downloaden und beim Boarding zeigen können. Sie zeigen Ihr Mobiltelefon bei der Kontrolle und unsere Scanner erkennen den Barcode auf Ihrem Ticket bzw. in Ihrem Handy. Wir arbeiten daran, dass die Kontrolle der Boardingtickets automatisch durchgeführt wird. Das funktioniert auf vielen deutschen Flughäfen und wir verhandeln momentan über die Einführung dieser Registrationsmöglichkeit mit der Polizei auf dem Belgrader Flughafen. Ich hoffe, dass wir uns bald über die neue Prozedur einigen werden.

eKapija: Was erwartet "Lufthansa“ von 2008?

- Seit dem Anfang dieses Jahres hat „Lufthansa“ mehr als 182.000 Passagiere aus Serbien befördert, um 20% mehr als im Vorjahr. Die aktuelle Finanzkrise übt einen starken Einfluss auf die Situation am internationalen Markt. Der unlängst veröffentlichte Bericht für September 2008 erweist schwächere Ergebnisse als erwartet, vor allem wegen des Streiks im Sommer und Verlangsamung des Marktes. Der Verkauf hat aber um 4,2% im Passagierverkehr zugenommen. Wir haben 2007 einen Gewinn von 1,7 Mrd. Euro erzielt, zweimal höheren als 2006. Der Umsatz ist dabei um 13% bzw. auf 22,4 Mrd. Euro gestiegen.

T.S.

Anmerkung: Lufthansa in Serbien ist langjähriger, aktiver Mitglied der Deutschen Wirtschaftsvereinigung Belgrad (DWB)

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