Quelle: Blic | Samstag, 12.04.2008.| 15:30

Die wichtigsten serbischen Investitionen in der Region

Übernahme des slowenischen Softwareherstellers "Hermes" seitens "ComTrade"

Die Nachricht, dass die serbische "ComTrade Group" den slowenischen Softwarehersteller „Hermes SoftLab“ übernommen hat, erregte das große Aussehen, weil es sich um die erste serbische Transaktion dieser Art in Slowenien handelt. Manche einheimischen Firmen haben schon die Schuld für ihre Mißerfolge an das politische Umfeld zugeschrieben. Die neuesten Entwicklungen zeigen, dass das gemeinsame Interesse alle Hindernisse aus dem Weg räumen kann. Es wird lange dauern, bis alle politischen Vorurteilen gegen Serbien in der Region überwunden werden. Serbische Investitionen sind mittlerweile in der Republik Srpska, Montenegro und Mazedonien mehr als willkommen.

Die Übernahme des slowenischen Softwareherstellers „Hermes SoftLab“ seitens der Belgrader IT-Gesellschaft "ComTrade", durch welche eine regionale Gruppierung mit einem jährlichem Umsatz über 300 Mio. Euro entsteht, stellt eine symbolische Wende in der wirtschaftlichen Annäherung der ehemaligen jugoslawischen Republiken dar.

(Veselin Jevrosimović)

- Es handelt sich um einen großen Erfolg für die serbische Wirtschaft und unsere Firma. Momentan sind wir in 14 Ländern - einschließlich alle ehemalige jugoslawische Republiken - präsent. Wir können jetzt in Konkurrenz mit beträchtlich kräftigeren Märkten wie Amerika, die EU, Mittel- und Nahost treten. In der Region haben wir bisher das Unternehmen DMC in Sarajevo und jetzt das slowenische "Hermes SoftLab" übernommen. Es handelt sich um unseren ersten Versuch, den slowenischen Markt zu erschließen. Bisher haben wir auf keine Hindernisse gestoßen. Wir verhandelt zur Zeit über die Übernahme noch zwei polnischen Unternehmen - sagte Veselin Jevrosimović, Vorsitzender der "ComTrade Group", für "Blic".

Während slowenische Unternehmen wie die Handelskette "Mercator" oder die "Telekom Slovenije" in allen ehemaligen jugoslawischen Republiken präsent sind, gelang es serbischen Unternehmen bisher nicht, sowohl slowenischen als auch kroatischen Markt zu erschließen.

"Delta" stößt auf politische Hindernisse

Seit acht Jahren versucht die "Delta holding", laut ihrer Geschäftsleitung, an diesen zwei Märkten Fuß zu fassen. Wegen verschiedener verborgenen politischer Hindernisse sei das ihr bisher nicht gelungen. Die Gesellschaft hat sich inzwischen auf die Expansion auf anderen Märkten orientiert, wo ihre Investitionen willkommen heißen.

- Wir sind in drei Länder in der Region präsen, Montenegro, Bosnien und Herzegowina und bulgarien. Bis Ende des Jahres erwarten wir die Eröffnung der ersten Verkaufsstellen in Albanien, Mazedonien und der Ukraine.

(Dragan Filipović)

- Wir haben die Expansion in der Region durch Übernahme der führenden Handelsketten - "Tropika" Bosnien und Herzegowina und "Pikadili" in Bulgarien aufgenommen. Es gab keine Probleme bei der Realisierung dieser Kaufverträge. Die Erweiterung an beiden Märkten werden wir durch Greenfield-Investitionen fortsetzen. Unsere Investitionen in Montenegro werden problemlos realisiert. Wir errichten bereits drei "Maxi" Supermärkte sowie die Shopping-Mall "Delta Cituy Montenegro" in Podgorica, die Ende Sommer eröffnet werden soll. Wir hatten bisher keine Probleme mit dem Erwerb der notwendigen Bau- und sonstigen Genehmigungen - sagt Dragan Filipovic, Generaldirektor von "Delta Maxi" für "Blic". Die "Delta Holding" habe aber die Märkte in Slowenien und Kroatien nicht aufgegeben, fügt er hinzu.

(Zoran Drakulić)

Am Anfang des letzten Jahres übernahm die Gesellschaft "East point" von Zoran Drakulic, die österreichische Donau-Dampfschifffahrtsgesellschaft (DDSG) für rund 100 Mio. Euro. "East point" hat in vergangenen Jahren Bergwerke in Kasachstan, mehrere Silos in Ungarn und Rumänien, eine Schleppkahn-Flotte in der Slowakei ... übernommen.

- "East Point" ist vielleicht nicht das beste Beispiel, weil es nicht serbisch ist. Der Eigentümer und die meisten Mitarbeiter stammen aber aus Serbien. Wir haben bisher auf keine politischen Hindernisse gestoßen. Die professionelle Geschäftswelt ist nicht "politisch gefärbt". Man sucht nach vertrauensvollen Partnern, weshalb jedes Dokument unter die Luppe genommen wird. Erst nach der gründlichen Prüfung können Verträge abgeschlossen werden - erklärt Svetozar Petrovic, Direktor für Investitionen und Ingenieurdienstleistungen in "East Point". Die Gesellschaft verhandelt derzeit mit Partnern aus Mazedonien, der Republik Srpska und Slowenien, fügte er hinzu.

Private Unternehmen nicht leicht beeinflussbar

Während Kroatien und Slowenien für serbische Investitionen noch immer nicht genug geöffnet sind, erreichen slowenische Investitionen in Serbien den Wert von 1,2 Mrd. und kroatische 330 Mio. Euro. Unternehmen aus Serbien haben bisher nur 100.000 Euro in Kroatien investiert.

- Unsere Unternehmen sind grundsätzlich nicht in der Lage, in Konkurrenz mit dortigen Firman zu treten. Das häufige Misstrauen gegen unsere Unternehmen lässt sich mit der wirtschaftlichen und politischen Situation in Serbien und ihrer finanziellen Kraft erklären - meint Dejan Jovovic, Berater im Büro für regionale Zusammenarbeit der Wirtschaftskammer Serbien.

(Gregor Smrekar)

Gregor Smrekar, Vorsitzender des Ausführenden Ausschusses von „Hermes SoftLab“, glaubt, dass sich private Unternehmen in Slowenien nicht so leicht beeinflussen lassen.

- "Hermes SoftLab" hat nach einem entsprechenden Partner in der ganzen Welt gesucht. Wir erhielten Angebote aus ganz Europa und entschieden uns schließlich für "ComTrade". Ich glaube, dass andere Unternehmer im privaten Sektor meine Meinung teilen und die nationale Herkunft des ausländischen Kapitals nicht berücksichtigen. Staatliche Unternehmen sind etwas anderes. Es gibt Spekulationen und viele glauben, dass serbische Investitionen hier nicht gern gesehen wären - so Smrekar.

Serbische Unternehmen waren bisher, seiner Meinung nach, nicht agressiv genug oder nahmen vor dem Anfang an, dass sie hier unwillkommen sind.

- Es ist nicht logisch, dass slowenische Unternehmen in Serbien frei investieren, während bei uns noch keine serbische Investition realisiert worden ist. Wir brauchen Gleichgewicht, weil anderenfalls Probleme entstehen können.

Kampf um die Region

(Slobodan Vučićević)

- Wir werden erst sehen, ob diese Übernahme die Stellung zu serbischen Investoren in Slowenien verändern wird - meint Slobodan Vucicevic. - Ich bin nicht davon überzeugt. Slowenien ist ein anspruchsvoller Markt, abgesehen davon woher ein Investor kommt. Der Markt ist klein und der Einfluss der großen EU-Unternehmen groß. Alle slowenischen Unternehmen sind überschätzt, es lohnt sich einfach viel mehr, irgendwo anders zu investieren. Durch Übernahme eines Unternehmens aus eigener Branche will "ComTrade" seinen Einfluss in der Region stärken - meint Vucicevic.

Die Situation in Kroatien sei etwas anderes.

- Die Animosität gegen das serbische Kapital in Kroatien ist historisch bedingt und von Erreignissen in der neuesten Geschichte belastet. Solches Verhältnis wird aber nicht lange dauern. So große Disbalance zwischen zwei Nachbarländern mit so großem Warenverkehr ist ziemlich unlogisch. Kroatische Firmen kauften mehra als zehn Unternehmen in Serbien. In Kroatien wurde gleiczeitig kein Investition aus Serbien realisiert.

Serbische Investitionen in der Region

Mazedonien

Nach Angaben der Wirtschaftskammer Serbien investierten serbische Unternehmen rund 40 Mio. Euro in Mazedonien, vorwiegend durch Übernahme der früheren Niederlassungen serbischer Firmen. Zu ihnen gehören „Simpo“, „Zdravlje“ Leskovac, „Galenika“, „Hemofarm“,„Jat“, „Svisslion“, „Mona“, „Knjaz Miloš“, „Delta sport“... Die "Delta Holding" verhandelt derzeit über die Eröffnung ihres Supermarkts in Skopje, teilte die Kammer mit.

Montenegro

Dejan Jovovic wies darauf hin, dass die größten serbischen Investitionen in Montenegro - die Errichtung eines luxuriösen Geschäftszentrums in Budva, in welches „Tradeunique Beograd“ aus Belgrad rund 60 Mio. Euro investiert, sowie die Investition der "Telekom Srbije" als dritter Mobilfunkbetreiber in Montenegro, die mehr als 100 Mio. Euro in folgenden sieben Jahren investieren soll.

Republik Srpska

Unternehmen aus Serbien arbeiten am meisten mit Firmen aus der Republik Srpska, wo sie rund 800 Mio. Euro investiert haben.

- Dazu gehört der Konzern "Hemofarm", der "Cajavec -sisteme upravljanja" in Banja Luka für 17 Mio. Euro übernommen hat. Die Eröffnung ihrer Expositur in der Hauptstadt der Republik Srpska kostete die Bank "Komercijalna banka" 10 Mio. Euro. Die Versicherungsgesellschaft "Dunav osiguranje" übernahm die Versicherung „Kosig Dunav osiguranja“. "Swisslion Takovo" hat die Werkzeugfabrik "Trebinje" für 1,5 Mio. KM gekauft und soll weitere 17 Mio. KM investieren - sagt Dejan Jovovic.

Anmerkung: Der ganze Artikel ist aus der Tageszeitung

vom 12.04.2008 übernommen.

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