Quelle: eKapija | Montag, 18.07.2016.| 17:20
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"eKapija" zu Besuch in RDK-8, weltweit effizientestem Steinkohlekraftwerk

Rheinhafen-Dampfkraftwerk, RDK

Der neue steinkohlebefeuerte Block des Rheinhafen-Dampfkraftwerks in Karlsruhe (RDK-8) mit einer elektrischen Leistung von 912 MW (brutto) hat den Wirkungsgrad von 47,5% netto erreicht und ist dadurch zum effizientesten Kohlekraftwerk weltweit geworden. Das Unternehmen General Electric, verantwortlich für das Projekt, den Erwerb von Bauteilen und Bau dieses Blocks, will diese Anlage für einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde vorschlagen.

Das Wirtschaftsportal "eKapija" hatte die Gelegenheit, gemeinsam mit Vertretern mehreren Medien aus Ex-Jugoslawien und Polen, das Steinkohlekraftwerk in Karlsruhe zu besuchen und sich vor Ort von den Vorteilen der modernen Technologie in der Stromerzeugung zu überzeugen.

Die Umstellung Deutschlands auf erneuerbare Energien verlangt eine Produktionsbasis, die in jedem Moment die kontinuierliche, zuverlässige und flexible Versorgung mit Strom garantieren könnte. Die Schadstoffemission musste dabei auf einem Minimum gehalten werden. Inhaber der Kohlekraftwerke mussten die alten Kapazitäten modernisieren lassen, weshalb sie 2008 mit dem Bau des erwähnten Blocks RDK-8 begonnen haben.

Investition im Wert von 1,3 Milliarden EUR

Die Absicht war, die wachsenden Bedürfnisse der deutschen Energie Baden-Württemberg Kraftwerke AG(EnBW), eines der größten Stromanbieters europaweit zu erfüllen, und langfristig gesehen, die bestehenden fossil befeuerten Kraftwerke und Kernkraftwerke durch umweltfreundlichere Energiequellen zu ersetzen.

- Das neue Kraftwerk leistet einen wesentlichen Beitrag zur sicheren Energieversorgung in einer der wichtigsten Industrieregionen in Deutschland. Um ihren Kunden den bestmöglichen Wert zu bieten und die Auswirkungen ihrer Tätigkeit auf die Umwelt auf das Minimum zu reduzieren, benötigte EnBW die effizienteste Lösung am Markt, und General Electric hat genau das geliefert - sagte Georg Stamatelopulos, Vorstandsmitglied von EnBW während des Besuchs der erwähnten Gruppe der Medienvertreter im Kraftwerk RDK-8 in Karlsruhe.



Georg Stamatelopulos

Die neue Anlage ermöglicht die Reduzierung der Schadstoffemission auf das Minimum sowie niedrigere Betriebskosten, unterstrich Stamatelopulos.

- RDK hat eine elektrische Leistung von 1.800 MW, und nur im Block 8 (Unit 8), der im April 2014 in Betrieb genommen wurde, werden 912 MWh Strom erzeugt. Zur Einspeisung in das Fernwärmenetz der Stadt Karlsruhe können zusätzlich bis zu 220 MW Fernwärme ausgekoppelt werden. 1,3 Milliarden EUR wurden in diese Anlage investiert - erklärte Stamatelopulos und erinnerte daran, dass Umsätze der EnBW, die 5,5 Mio. Kunden mit Strom und Fernwärme versorgt und 20.000 Mitarbeiter beschäftigt, 2015 den Wert von 21 Mrd. EUR überstiegen hätten.

Das Kraftwerk am Rhein verbrennt nur 1-2% Kohle aus Deutschland, der Rest wird aus Südafrika, Kolumbien, Polen, den USA usw. per Schiff geliefert. Auch wenn die Transportkosten mitgerechnet werden, ist das um 20% rentabler als die heimische Steinkohle. Und in Karlsruhe werden rund 1.000 Schiffe jährlich entladen.


Der große Vorteil von RDK-8 ist seine Flexibilität, wenn es sich um die Brennstoffart geht. Hier lassen sich verschiedene Arten von Kohle verbrennen sowie 20-25% der Biomasse. Die Asche, die durch die Verbrennung von Kohle entsteht, wird in einem Silo gespeichert und demnächst verkauft, vorwiegend an die Bauwirtschaft.

Kohle als ein wesentlicher Bestandteil des Energiemixes

General Electric hat bei der Planung, Erwerb von Bestandteilen und Bau des Blocks RDK-8 die beste Technologie und das Know-how im Bereich der großen Kraftwerke engagiert, um überlegene Leistungen zu sichern. Das schließt einen "ultra-überkritischen Dampferzeuger" mit einem Verbrennungssystem, Dampfturbine mit dem Turbogenerator und einen kompletten Wasser-Dampf-Kreislauf ein.

So hohe Effizienz ermöglicht die Reduzierung der konkreten CO2-Emission um 40% und die Einsparung von 275.000 t Steinkohle jährlich, im Vergleich zum internationalen Durchschnitt für konventionelle Kohlekraftwerke.

- Zwei Milliarden Menschen haben heutzutage noch keinen Zugang zu einer ausreichenden und zuverlässigen Energieversorgung, und mehr als eine Milliarde davon haben keinen Stromanschluss. Um die steigende Nachfrage weltweit zu befriedigen, benötigen wir eine ausgewogene und zuverlässige Struktur der Energiequellen, bzw. einen Energiemix, an dem sich fossile Brennstoffe mit 60% beteiligen und dabei eine notwendige Basis für die Stabilität der Stromversorgung bilden. Erneuerbare Energien sollten das am schnellsten wachsende Segment sein, und 95% der internationalen Nachfrage wird aus Indien, China, Asien, Nahost und Afrika stammen - erklärte Amir Mujezinovic, GE-Experte für Dampfkraftwerke im Gespräch mit Journalisten.

Prognosen für den globalen Energiemarkt zeigen, dass sich zusätzliche Kapazitäten von Kohle und Kernenergie bis 2025 deutlich erhöhe werden. Mit Reserven von fast 900 Milliarden Tonnen bleibt Kohle ein wesentlicher Bestandteil des Energiemixes, als selbstständiges und zugängliches Mittel für die Energieerzeugung und Energiesicherheit. Japan plant den Bau von sogar 20 neuen Kohlekraftwerken.

Kohle als Energiequelle sei definitiv eine der akzeptablen Optionen zu überlegen, glaubt Ante Ramljak, ehemaliger Berater des kroatischen Energieministers.

- Wir waren auf dem Dach des Kraftwerks RDK-8, das seit zwei Jahren in vollem Betrieb ist, und uns davon überzeugt, dass es dort nicht einen Millimeter von Kohlenstaub gibt. Das spricht Bände darüber, in welchem Maß Kohle Umweltverschmutzer ist, wenn man moderne Technologien anwendet - so Ramljak.

Instabiler Strommarkt

Trotz der modernsten Technologien und der Effizienz stoße auch RDK auf Schwierigkeiten auf dem deutschen Strommarkt, nachdem sich das Land für die Energiewende und den Atomausstieg entschieden habe, erklärte Georg Stamatelopulos, Direktor von EnBW.

- Als wir 2008 den Bau des Blocks 8 beschlossen haben, war das ein guter Schritt, aber in Hinsicht auf die aktuelle Situation am Strommakrt würden wir uns heute sicher nicht dafür entscheiden. Produktionskosten für Strom belaufen sich derzeit auf 27 Euro für eine MWh. Als wir mit dem Bau des Blocks 8 begonnen haben, haben sie bei rund 40 Euro gelegen, und es wurde erwartet, dass sie sogar auf 50 EUR für eine MWh steigen würden!


Marko Andrejić

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