Quelle: eKapija | Mittwoch, 23.12.2015.| 03:37

Frankreich verbietet Verschwendung von Lebensmitteln - Überschüssige Lebensmittel sollen gespendet werden - "Delhaize" startet Wohltätigkeitsaktion in Serbien

(FotoLisa S./shutterstock.com)
Es wird geschtzt, dass 26,1% bzw. ein Viertel der Gesamtbevölkerung in Serbien unter der Armutsgrenze lebt. Von der Armut sind besonders Kinder unter 14 Jahren betroffen. In Europa ist dieser Prozentsatz nur um einen Punkt niedriger und liegt bei 25%, während fast 90 Mio. t Nahrungsmittel weggeworfen werden.

Frankreich will nun dieser Verschwendung den Kampf ansagen. Das Parlament in Paris beschloss in erster Lesung einstimmig ein Gesetz, das es Großhändlern und großen Supermärkten verbietet, Lebensmittel wegzuwerfen. Politiker hatte vor allem empört, dass viele Supermärkte das weggeworfene Essen gezielt ungenießbar machen. Künftig müssen die großen Geschäfte alles nicht verkaufte Essbare spenden. Die ersten Schritte in dieser Richtung wurden, glücklicherweise, auch in Serbien gemacht.

Die Einzelhandelsketten "Maxi" und "Tempo" startete eine Spendeaktion, in deren Rahmen jeden Tag Obst und Gemüse für die Ernährung von 1.800 bedürftisten Bürger in Serbien gesichert werden. Dank der Zusammenarbeit mit der Nichtregierungsorganisation "Banka hrane" (dt. Nahrungsmittelbank) und durch das Programm "Wir helfen, damit jene, die nichts haben, etwas bekommen", werden ca. 40 t Lebensmittel monatlich von "Maxi" und "Tempo" gespendet.

Durch Zusammenarbeit mit der Nahrungsmittelbank im Rahmen dieses Projekts will "Delhaize Srbija" zur Lösung des Problems der Armut und des Hungers beitragen, durch effizientere Nutzung von überschüssigen Nahrungsmitteln in einer Weise, die in Europa schon jahrelang angewandt wurde.

- Nachdem wir beschlossen haben, in unseren Objekten ausschließlich erstklassiges Obst und Gemüse zu bieten, erhöhte sich die Menge der überschüssigen Nahrungsmittel, die noch immer hochwertig und essbar sind. Als der größte Einzelhändler in Serbien, bei dem fast jeder Bürger einkauft, fühlen wir uns verpflichtet, auch jene, die bedürftig sind, mit hochwertigen Lebensmitteln zu versorgen, Durch Spenden von Obst und Gemüse, die nicht verkauft wurden, sichern wir frische Lebensmittel für jene, die unsere Hilfe bentigen. Außer in Belgrad möchten wir dieses Projekt in der Zukunft auch in anderen Städten in Serbien realisieren und auch andere Lebensmittel einschließen. Wir wollen, dass bis 2020 alle unsere Geschäfte in Serbien täglich Nahrungsmittel spenden - erzählt Martina Petrović, Managerin für nachhaltige Unternehmensführung bei "Delhaize Srbija".

62 Geschäfte von "Delhaize Srbija" ("Maxi" und "Tempo") spenden täglich Obst und Gemüse für bedürftige Familien und Bürger durch die Nahrungsmittelbank partnerschaftliche Organisationen.

- Wir sind froh, die erfolgreiche Zusammenarbeit mit "Delhaize" in den vergangenen sieben Jahren, auf ein noch höheres Niveau zu bringen. Solche Spenden stellen etwas Einzigartiges dar, weil wir dadurch Nahrungsmittel täglich für eine große Anzahl von Menschen sichern. Partnerschaftliche Organisationen übernehmen Obst und Gemüse direkt aus ihnen zugeteilten Supermärkten und liefern sie an bedürftige Familien. Diese Kette funktioniert maximal effizient - erklärte Milana Blažić im Namen der Nahrungsmittelbank "Banka hrane".

Hungrige weltweit

Jährlich landen laut UNO-Angaben 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel im Abfall. Das ist rein rechnerisch etwa viermal so viel, wie nötig wäre, um das Hungerproblem in der Welt zu lösen. Laut dem UNO-Welthungerbericht vom Oktober 2012 hat jeder Achte nicht genug zu essen - insgesamt sind das rund 870 Millionen Menschen. Allein die in den Industrienationen weggeworfene Menge von 300 Millionen Tonnen jährlich würde - theoretisch - reichen, diese Menschen zu ernähren.


Besorgniserregend klingt deshalb die Angabe, dass in 250.000 t essbare Nahrungsmittel jährlich in Serbien weggeworfen werden. Obwohl es noch immer keinen Rechtsrahmen für die Regelung der oben beschriebenen Aktivitäten gibt, zeigt die Öffentlichkeit bereits großes Interesse für diese Art der Hilfe.

Das Unternehmen "Delhaize Srbija" realisiert dieses Projekt selbstständig, nach dem Vorbild anderer europäischer Länder. Andere große Handelsketten haben, wie wir erfahren, derzeit keine ähnlichen Pläne.

Das Europäische Parlament empfahl Anfang Juli dieses Jahres allen EU-Ländern, durch Verabschiedung entsprechender Gesetze Lebensmittelhändlern zu ermöglichen, unverkaufte Nahrungsmittel zu spenden, statt sie wie bisher wegzuwerfen.

Französisches Beispiel

Das Parlament in Paris beschloss in erster Lesung einstimmig ein Gesetz, das es Großhändlern und großen Supermärkten verbietet, Lebensmittel wegzuwerfen. Politiker hatte vor allem empört, dass viele Supermärkte das weggeworfene Essen gezielt ungenießbar machen. Künftig müssen die großen Geschäfte alles nicht verkaufte Essbare spenden.

Mit drastischen Maßnahmen geht Frankreich gegen die Verschwendung von Lebensmitteln vor: Der Großhandel darf unverkaufte Nahrungsmittel künftig nicht mehr wegwerfen, wie das Parlament in Paris am Donnerstagabend in seltener Einmütigkeit beschloss.

Insbesondere wird es den Händlern im Lebensmittelbereich verboten, ihre unverkaufte Ware für den Konsum ungeeignet zu machen. Ein Abgeordneter prangerte es als "skandalös" an, dass zum Beispiel Chlor über Mistkübel mit noch nutzbaren Lebensmitteln des Großhandels verteilt werde. Damit wollen Händler verhindern, dass die Lebensmittel noch genutzt werden.

Das nun beschlossene Maßnahmenbündel sieht vor, dass die Händler jegliche Verschwendung vermeiden müssen: Unverkaufte Ware soll gespendet, als Tiernahrung genutzt oder als Kompost für die Landwirtschaft verwendet werden. Supermärkte mit einer Fläche von über 400 Quadratmetern werden verpflichtet, ein Abkommen für Lebensmittelspenden mit einer karitativen Organisation zu schließen. In der Schule soll zudem Unterricht gegen die Verschwendung von Lebensmitteln in den Lehrplan aufgenommen werden.

Der Handel kritisierte, dass die Maßnahmen ihr Ziel verfehlten, denn der Großhandel sei lediglich für fünf Prozent der verschwendeten Lebensmittel verantwortlich. Zudem sei der Großhandel bereits jetzt der größte Spender und arbeite eng mit Hilfsorganisationen zusammen.

Die sozialistische Regierung in Paris hatte sich 2012 zum Ziel gesetzt, die Lebensmittelverschwendung bis 2025 zu halbieren. In den vergangenen Wochen präsentierten Abgeordnete der Regierung 39 Vorschläge, um die Lebensmittelverschwendung einzudämmen. Einer der Vorschläge lautete, dass Franzosen in Restaurants nicht verzehrtes Essen in "Doggy Bags" mitnehmen sollen.

Frankreich folgt damit dem Beispiel Belgiens, das im Vorjahr als erstes europäisches Land ein ähnliches Gesetz verabschiedete. Die EU hatte in der Vergangenheit an die Mitgliedsstaaten appelliert, das Ablaufdatum bei Produkten wie Kaffee, Reis, Nudeln, Hartkäse und Marmelade abzuschaffen - als einen Schritt, um die Lebensmittelverschwendung einzudämmen.

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