Quelle: eKapija | Donnerstag, 31.08.2017.| 15:39
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Crowdfunding bleibt ungenutzte Chance für einheimische Wirtschaft - Kampf um innovative Unternehmen verloren?

(Fotolove work 51/shutterstock.com)
Belgrader Kulturzentrum Mikser hat Mitte Juli dieses Jahres eine Spendekampagne für die Fertigstellung der Rekonstruktion einer verlassenen Fabrik in Sarajevo, in der am 8. September ein Mikser House in dieser Stadt eröffnet wreden sollte. Der größte Teil des notwendigen Betrags ist bereits gesammelt, und restliche 75.000 EUR hat Mikser durch eine Crowdfunding-Kampagne auf dem Portal Indiegogo gesucht.

Zu einer Crowdfunding-Kampagne seien sie vom Publikum in Mikser sowie von zahlreichen Einzelpersonen und Organisationen ermutigt, welche dem Kulturzentrum Mikser House in seinen ersten fünf Jahren "selbstlos die Hilfe und Unterstützung geboten und geleistet haben", erfahren wir von Maja Lalic, Kreativdirektorin von Mikser.

- Wir haben ähnliche Initiativen erforscht und festgestellt, dass in Hinsicht auf das Nichtvorhandensein einer entsprechenden Kulturpolitik und Systemunterstützung für unabhängige Kulturprojekte und kreatives Unternehmertums, das Crowdsourcing die Zukunft der unabhängigen Kulturszene darstellt, sowie dass es sich zur Grundlage einer durch mehr Solidarität und Selbstständigkeit geprägten Gesellschaft im Vergleich zum Staat entwickeln könnte - fügte sie hinzu.

Auf eine ähnliche Schlußfolgerung weist eine Analyse von Crowdfunding hin, die vom Unternehmen Brodoto unlängst präsentiert wurde. Sie behaupten, unter anderem, dass "Crowdfunding derzeit eine ergänzende Rolle bei traditionellen Finanzierungsquellen spielt, aber dass es sie in der Zukunft gefährden könnte, in ähnlicher Weise wie die soziale Netzwerke klassische Medien gefährdet haben".

Und was ist eigentlich Crowdunding?

Crowdfunding ist eine bestimmte Art der Finanzierung für Unternehmensgründungen oder Projektrealisierungen. Die Übersetzung aus dem Englischen zeigt, dass es beim Crowdfundig nämlich um die Finanzierung durch eine Personengruppe geht. Als deutsches Synonym wird in diesem Zusammenhang auch die Bezeichnung "Schwarmfinanzierung" verwendet.
Crowdfunding ist eine Möglichkeit für Gründer oder Personen, die gern ein bestimmtes Projekt umsetzen möchten und ihnen dafür leider das Kapital fehlt. Über die Methode des Crowdfundings kann beispielsweise ein Startup Eigenkapital generieren. Dies geschieht, indem sich Privatpersonen zumeist in Form stiller Beteiligungen an dem Unternehmen beteiligen und dem Startup somit Eigenkapital zur Verfügung stellen. Der Prozess des Crowdfundings wird bezogen auf ein Unternehmen oder Projekt auch als Aktion bezeichnet.

Das bedeutet also, dass die Crowd beziehungsweise die Gruppe als Kapitalgeber funktioniert und so die finanzielle Realisierung der Idee ermöglicht. Die Finanziers übernehmen aber gleichzeitig das Risiko, dass das Produkt oder die Dienstleistung nicht geliefert werden.
Der Wert des Crowdfunding-Marktes könnte bis 2020 auf 96 Milliarden USD steigen, und die Investitionen von sogenannten Business Angel und des Wagniskapitals weitaus übertreffen, schätzte die Weltbank schon 2015. Mehr als ein Fünftel der Bevölkerung in den USA hat bereits an Crowdfunding-Kampagnen teilgenommen, und 3% von ihnen haben ein eigenes Projekt gestartet.

Die Umstände in Serbien sind weit entfernt von den denjenigen im Übersee. In unserem Land wurden bisher nur 570 Kampagnen gestartet und rund 650.000 USD gesammelt, behaupten die Analytiker von Brodoto. Der Prozentsatz derjenigen, die einige der Kampagnen im Jahr 2016 unterstützten, liegt bei unbedeutenden 0,03% der Bevölkerung.

Bemerkenswert ist die Tatsache, dass es sich bei einem Drittel um Kunstprojekte handelt, und die Filmindustrie hat sich dabei als die erfolgreichste erwiesen. Auf diese Weise wurde die Fertigstellung eines Films über das Leben des berühmten Rockmusikers Vlade Divljan finanziert. Es handelt sich vorwiegend um Spenden.


Miloš Vlahović

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